Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 470 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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470 MENORAH Es waren dies gute Krankenpflegerinnen und im allgemeinen prächtige junge Frauen. Die Juden sind noch ein Volk mit orientalischen Vorurteilen und deshalb habe ich ein wenig Angst, hier eine Episode zu erzählen, an der einige meiner Leser Anstoß nehmen könnten. Aber ich glaube, daß wir Juden sowohl Kinder als auch wichtige Mitschöpfer der europäischen Kultur sind; und einer ihrer Vorzüge ist es, stolz zu sein auf den Zauber, den die Frauen ausüben. Ich erinnere mich, daß die ganze Weltpresse während der ersten Völkerbundtagung voll war von einem klugen „Trick", den die englische Delegation sich geleistet hatte: der ganze Stab von Stenotypistinnen, den sie mit sich brachten, bestand ausschließlich aus erstklassigen Schönheiten. Ich kenne die englischen Büros genau: der Durchschnitt ist gar nicht so hübsch. Aber für Genf trafen sie eine besondere Auswahl. Und sie hatten recht. Das ist auch ein Teil des Nationalstolzes. Die Episode, die ich erzählen will, ereignete sich in jenem Lager neben dem Spital in Belah, wo unser Roter Magen David'4 Dienst leistete. In der Zeit der Waffenruhe veranstalteten die ,,Anzacsct (so nannte man die Soldaten aus Australien und Neuseeland) ein Pferderennen und luden dazu auch unser Bataillon ein. Colonel Patterson brachte zwei jüdische Krankenschwestern mit, die anderen hatten Dienst. Es kamen noch viele andere Damen zum Fest — englische „sisters" und Krankenpflegerinnen unter Führung ihrer „matron". Viele von ihnen sahen in ihrer Diensttracht sehr elegant aus, waren Ladies aus der besten Gesellschaft. Aber während der Pause zwischen zwei Vorführungen bildete sich sofort ein Kreis um unsere beiden „Schwestern". Der ,,Anzac" General Ghaytor, sein Stab, seine Colonels, Majors und Leutnants, etwa zwanzig an der Zahl und vielleicht noch mehr, verdrängten uns alle (mit Ausnahme von Colonel Patterson, der der Meinung ist, daß man einen Insuman von einer jungen Dame nicht wegdrängen darf) und fast die ganze halbe Stunde der Pause wollte das Lachen, Späßetreiben und Komplimentemachen kein Ende nehmen. Der jüdische Jischuw besitzt sowohl starke Männer als auch schöne und dabei kluge Frauen, auf beide müssen wir stolz sein. Das war aber später, während des Waffenstillstandes, indes ich hier von den letzten Kriegsmonaten sprechen will. Der Jischuw hatte schreckliche Jahre hinter sich. Von 60.000 Juden, die man vor dem Kriege in Jerusalem gezählt hatte, blieben einige 25.000 zurück. Nur ein kleiner Teil hatte die Möglichkeit gefunden, zu emigrieren: die meisten starben den Hungertod und an Krankheiten. Noch im März