Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 466 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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466 MENORAH und sogar ,,gefährlich". Gute Freunde des Hauptquartiers gaben dem Waad Hazirim (so wurde die zionistische Kommission genannt) den Rat: „Haltet euch fern von ihnen . .." und bei uns liebt man Ratschläge, die einer Warnung gleichkommen. Man halt sie für staatsmännisch, ungeachtet des Risikos, eine wichtige und nützliche Sache zu stören. Es gab einen Tag, wo ich einen Augenblick Angst halte, daß diese „Vorsicht" die Freiwilligenbewegung arg behindern könnte. Smilansky hatte in Rechoboth eine Massenversammlung aller Freiwilligen einberufen. Etwa tausend kamen aus Jerusalem, die meisten zu Fuß, da man, um mit der Eisenbahn fahren zu können, einen Militärpaß benötigte, und für ein Gespann kein Geld vorhanden war... (Ich sage: ein Gespann — von einem Automobilverkehr hatte man damals in Palästina noch nichts gehört. Das erste Privatautomobil brachte sich der Waad-Hazirim mit und das erschien als ungeheurer Luxus.) Also zu Fuß; das bedeutet einen zweitägigen Marsch in der Hitze. Das Freiwilligenkomitee hatte die ganze zionistische Kommission eingeladen. Aber keines ihrer Mitglieder war erschienen. Ich wußte einfach nicht, was ich anfangen sollte. Patterson hätte keine Angst gehabt, in der Versammlung zu erscheinen, obwohl Rechoboth zwei Schritte vom Hauptquartier und dem zürnenden General Bols lag, aber Patterson war in Ägypten. In meiner Verzweiflung fuhr ich ins Hauptquartier zu General Clayton (später war er Zivilsekretär, d. i. Chef der Regierung in Sir Herbert Samuels Administration) und bat ihn, irgend einen höheren Offizier oder einige ermunternde Zeilen nach Rechoboth zu schicken. Er entgegnete: „Das kann ich nicht. Richten Sie ihnen mündlich aus, daß sie brave junge Leute sind und daß ich hoffe. . Diese magere Botschaft war alles, was ich in die Versammlung in Rechoboth bringen konnte. Aber ich kannte sie nicht: sie brauchten gar keine Ermunterung. Ihre eigene Begeisterung und Zuversicht genügten vollkommen. Mit donnernden Ovationen proklamierten sie wieder ihre Bereitwilligkeit, für Palästina zu kämpfen. Sie beschlossen sogar, sofort nach Beer-Jaakob zu marschieren und ein Interview mit General Allenby zu verlangen. Ich konnte sie nur mit Mühe davon abhalten. Es war meinerseits sehr „vorsichtig" — ich bereue es noch heute. Ich bin davon überzeugt, daß dies die Rekrutierungskampagne um einige Monate nähergerückt hätte. Aber dennoch hatte die Versammlung ihre Wirkung auf das Hauptquartier nicht verfehlt. Neben dem Hause, wto sie stattfand, stand das Zelt des Genieoffiziers, eines Gaptains, dessen Name mir