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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. Seite 456

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Die zwei Letzten
Date
1928-08-01
Page
Seite 456 (sequence 2)
Language
German
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456 MENORA H ihr Dorf vorlassen haiton. Von wo kehrten sie zurück? Aus großen Städten, aus unendlichen Fernen und aus allen Enden der Welt. Von all dem sprachen und an all das dachten der alte Schames und der alle Totengräber. Das Schicksal der beiden war verschieden. Sie hatten längst — es war in einem und demselben Jahr — ihre Frauen verloren und beide waren allein geblieben. Der Totengräber hatte einen einzigen Sohn, der Schames war mit Kindern gesegnet, er halte sechs; lauter Töchter. Fr war bei aller seiner Armut heiter, und wenn ihm die Schanieste seine Sorglosigkeit vorwarf und meinte, er sollte sich lieber um die Zukunft seiner sechs Töchter kümmern, antwortete der Schames gewöhnlich: .Jch würde mich kümmern, wenn ich eine halle, das brächte ich zustande, aber mich um sechs Töchter sorgen? Diese Sorge muß ich dem lieben Golt überlassen." Und der liebe Gott sorgte wirklich. Die Mädchen waren rührig und konnten sich überall sehen lassen. Als sie herangewachsen waren, ging eine nach der anderen zu reichen Juden in den Dienst und wenn sie ein paar Hunderter erspart hatte, mietete sie im benachbarten Dorf eine Stube, machte aus der Stube einen Kaufmannsladen und führte ihn tapfer. Nach einer Zeit sagte der Schames: ,,Das Geschäft des Mädels hebt sich, sie könnte schon heiraten/' Und immer fand sich ein junger, armer Jude, der gern in das eingeführte kleine Geschäft einheiratete. So etablierten und verheirateten sich alle sechs Töchter des Schames. Als Mitgift bekamen sie von zu Hause einen Schürhaken und eine Ofenschaufel von der Schameste, den Segen Gottes vom Schames. Eine Schwester half der anderen und die Leute sagten, daß viel zu wenig Töchter da seien, wenn ihrer mehr wären, so könnte der Schames alle Dörfer im Bezirk mit ihnen besetzen. Auch die Schwiegersöhne des Schames waren wohlgehingen, wenn sie auch zu Beginn keine großen Geisteskinder waren. Aber mit den Geschäften und mit den vernünftigen Frauen gab ihnen der liebe Gott auch den Verstand. Die Frauen kümmerten sich zu Hause um das Geschäft, und die Männer handelten draußen in der Welt. Der eine kaufte Eier zusammen, der zweite Gemüse, der dritte handelte mit Kleesamen, der vierte mit Getreide, der fünfte mit Wolle und der letzte war Kuhhändler. Wenn Samstag nachmittags oder an Feiertagen alle Schwiegersöhne und Töchter mit allen Kindern beim Schames zusammenkamen, langte das Häuschen des Schames nicht für sie und das Dorf war voll von ihnen. Dann kam die Übersiedlungsepidemie über die Juden, einer nach

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