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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. 455

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Die zwei Letzten
Date
1928-08-01
Page
455 (sequence 1)
Language
German
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DIE ZWEI LETZTEN Von Vojtech Rakous Autorisierte Übertragung von Anna Aurednicek Der alte Schames des Leschaner jüdischen Bethauses und der alte Totengräber des Leschaner jüdischen Friedhofes, beide weit über siebzig Jahre alt, saßen das ganze Jahr Abend für Abend beisammen. Im Winter in der gutgeheizten Stube des Schames, im Sommer auf der Steinbank vor dem Häuschen des Schames, neben dem Tempel. Sie erzählten und gedachten alter Zeiten. Und sie hatten was zu erzählen, hatten so vieles, woran sie zurückdenken konnten. Sie versahen ihre Ämter seit ihrer Jugend, mehr als fünfzig Jahre, beide waren Zeitgenossen der damals blühenden Leschaner jüdischen Gemeinde und sind jetzt die einzigen lebenden Zeugen ihres völligen Erlöschens. Leschan ist ein kleines Dorf, war aber seit undenklicher Zeit der Sitz einer selbständigen jüdischen Gemeinde und die Gemeinde verwalteten oft berühmte Rabbiner. In das alte Bethaus hinter dem Dorf pilgerten an Samstagen und Feiertagen Juden und Jüdinnen aus den zahlreichen Dörfern der weiten Umgebung und nach dem Tode fanden sie alle auf dem jüdischen Leschaner Friedhof ihre letzte Ruhestätte. Dieser schönen Zeit gedachten Abend für Abend der alte Schames und der alte Totengräber, Wohin war das alles gekommen? In jedem, auch dem kleinsten Dorf war damals eine jüdische Familie, in vielen lebten einige jüdische Familien. In Leschan selbst waren mehr als zehn und alle waren jetzt verschwunden. Man konnte stundenlang wandern, von Dorf zu Dorf gehen, — von Juden war keine Spur. Einige Geschlechter waren ausgestorben, andere hatten aufgehört jüdisch zu sein und der größte Teil war in große Städte übersiedelt. Unter den Dächern, wo diese Juden ihr ganzes Leben verbracht, wo sie ihren Kummer und ihre Freuden verlebt hatten, unter diesen Dächern war keine Spur von ihnen zurückgeblieben. Und kein Andenken an das lebhafte Treiben der Leschaner Judengemeinde war mehr übrig, außer den beiden lebenden Zeugen, dem Schames und dem Totengräber und den zwei stummen Zeugen: dem Bethaus hinter dem Dorf und dem Friedhof am Wald. Es war ein langes, schmerzliches Sterben. Die Leschaner jüdische Gemeinde starb jahrelang, schließlich war sie tot, das Bethaus wurde stumm und der Friedhof lebte sein Leben. Ein lebender Jude kehrte nie zurück, aber der tote wurde zur letzten Ruhe auf den Leschaner Friedhof gebracht. Hieher kehrten alle zurück, die vor vielen Jahren

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