Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Die Judenstadt
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 453 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE JUDENSTADT 453 Boskowitz: Ghetto — }, Hintenaus' sehene. erlebte Gewißheiten, farbig und atemheiß gleich einer Reihe von gegenwärtigen Bildern und Abenteuern. Und der Brunnen mit dem grün bemoosten Stein, dem hellen, immerfort Iiie 13enden Strahl spann den Zauber romantisch weiter. Oh, unsere junge, kühne, grenzenlose Sehnsucht! Aber nicht nur die Gassen und Plätze, auch die Häuser halten ihr eigenwilliges, temperamentvolles Wesen. Daß sie die Reihe nicht einhielten und, wo es anging, mit einem Trakt oder Erker, mit einer schrägen Kellertür, mit einer Freitreppe, die zum obern Stockwerk führte, oder mit ihrem ganzen Körper absonderlich hervortraten, wollte nicht alles heißen. Denn neben diesen überall wiederkehrenden Willküren gab es genug unabhängige und starke Individualismen, die wohl ein längeres Verweilen herbeiführten und zum Nachdenken veranlaß ten, was denn von Fall zu Fall der Beweggrund für die von jedem Herkommen abweichende Gestalt des Hauses gewesen sei. Da war - — um nur eines anzuführen — das Haus an der Ecke von Judengasse und Brunnenplalz. Gegen die Gasse sah es mit seinem Gemüseladen zu ebener Erde und den Fenstern des Wohnstockes darüber nur gewöhnlich aus. Aber an der anderen Seile, wo es den jähen Hügel hinaufführte, verschloß es sich, sandte beim Eingang einen halbrunden Vorbau mit Kegeldach von fast wehrhaftem Ansehen aus und ließ, indem es nun wieder zurückwich, einen besonders freund-