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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. Seite 454

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Die Judenstadt
Date
1928-08-01
Page
Seite 454 (sequence 8)
Language
German
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454 MENORAH liehen Flügel folgen, der — im obern Geschoß mit einem dünnen Geländer versehen — sich familiär und beweglich ins Freie öffnete. Häuser von so mannigfaltiger Form gab es nicht viele. Doch gab es überall merkwürdige Einzelheiten. Lockere Kaprizen, unwirklich und hinfällig wie Bühnenbauten, wechselten mit widerspenstigen Justamentern und sauberen, behäbigen Soliditäten. Nur selten fand sich dazwischen eines jener faden schreinerhaften Dutzendhäuschen, die draußen am Rande der Stadt die Regel waren, nirgend aber das bäuerische Hofhaus mit der breiten Einfahrt für das ländliche Fuhrwerk. So stand es mit den Gassen und Häusern der Judenstadt fast wie mit ihren Menschen. Auch die Gassen hielten auf Geselligkeit und Zusammenschluß. Auch die Häuser erschienen wie allmählich entwickelte, markante Charaktere. Und wie die Menschen waren diese Gassen samt ihren Häusern in jedem Teil lebendig. Wer in ihren Kreis gehörte, hatte eine Heimat. Das war vielleicht das Schönste. Ich kenne genug Fälle, daß sehr verschiedene Menschen, begabte und müßige, aber seltsamerweise fast durchwegs zynische, die jede bürgerliche Empfindung verächtlich fanden, nach vielen krampfhaften Versuchen, auswärts Boden zu fassen, lieber ein notdürftiges Auskommen in dieser Heimat auf sich genommen haben, also — zornig, spöttisch, aber ohnmächtig — dem Heimgefiihl der Judenstadt erlegen sind. Gewiß waren das schwache Naturen. Aber auch wir anderen, für die der Ort unserer Kindheit längst nur eine liebe Erinnerung geworden ist, haben seither keinen zweiten mehr von ähnlich reicher, tiefer Einwirkung gefunden. Doch unseren Kindern ist dieses kostbare jüdische Erleben völlig verlorengegangen. Sollte uns das nicht etwas zu denken geben? T^dax Eisler. *) Der „Jüdische Almanach" in Prag reröffentlieht in seinem nächsten Jahrgang einen Aufsatz desselben Autors, worin unter dem Titel „Jüdische Denkmalpflege" die Gesichtspunkte und Methoden für die Erhaltung der Judenstädte gezeigt, also die praktischen Folgerungen aus den hier vorliegenden Betrachtungen gezogen werden. Photographische Aufnahmen aus dem Atelier Bruno Wolf, Brün31

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