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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. Seite 452

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Die Judenstadt
Date
1928-08-01
Page
Seite 452 (sequence 6)
Language
German
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452 MENOKAH das Baubild dermaßen eingegriffen, daß es ihm ein drastisches, beinahe bühnenmäßiges Aussehen verlieh. Kam man von der Stadt herein, dann sah man sich hier einem ziemlich hohen, geschlossenen Bauwerk gegenüber, das einen guten Teil der Platzlänge einnahm. Zu ebener Erde halte es drei, in den ehemals anstehenden Hügel eingegrabene Gewölbe, die später der Feuerwehr und einem Kohlenhändler dienten und mit halbrunden Toren aus schwarz lackiertem Blech verschlossen wurden. Oben war es flach abgedeckt, gegen den Platz mit einem Eisengilter versehen und mit Asphalt gepflastert. Davon führte das Ganze den Namen „Asphalt". Hinten zog eine Häuserzeile, die den ..Asphall" als die ihr vorgelegene Plattform benülzte. Aber vom Platze unten erschien sie auf eine, wie schon gesagt, last theatralische Weise als eine Zeile zweiler Etage. Ein anderer, kleinerer Platz von stillem, abseitigem Wesen befand sich etwas unterhalb der soeben geschilderten Stelle. Wäre das Wort im Gebrauch, man hätte ihn — wie man ja von Hinlergassen spricht — einen Hinterplatz nennen müssen. Denn alles hier seinen eine solche Benennung zu rechtfertigen. Er lag an einem beinahe toten Punkt des Verkehres. Von der Hauptstraße, die zum Friedhof zog, führte eine schmale Öffnung herein, dann folgte ein jäher Absturz, bis endlich der Boden an freier Breite gewann. Hier stand im Winkel ein steinernes Becken mit einem Rohr in der Mitte, aus dem sich in guten Jahreszeiten ein dicker Wasserstrahl ergoß. An Vormittagen kamen die Frauen und Mägde aus der armseligen Umgehung, um ihre Bullen, Töpfe und Eimer zu füllen. Mittags durchkreuzten Arbeite1!' auf dem Heimweg aus ihren Werkstätten den Ort. Aber auch diese Geschäftigkeit war dürftig und geeignet, den zurückgezogenen, verschlafenen Eindruck des Platzes nur noch fühlbarer zu machen. Besonders an späten Nachmittagen ließ es sich hier gut träumen. An einer Ecke das hochsteigende Haus mit seinem geschlossenen, gelb getünchten Mauerwerk und dem hebräischen Wappenschild an der Stirnseite, geradeaus im Spalt der oben vorbeiziehenden Gasse der überragende Bundgiebel eines stattlichen Gehöftes, daneben unter steilem Schindeldach — nistend, hängend — der schwarzbraune Holzgang eines Hinterhauses mit bunt blühenden Topfblumen, zuletzt rechter Hand ein mürrischer vernachlässigter Bau mit einer Terrasse im rückwärtigen Oberstock, unheimlich wie eine Spelunke — das war ein schweigsam-redseliges Beisammensein, getränkt mit Ahnungen vom Gewesenen. Man brauchte nur eine Weile aufmerksam sich umzusehen, und das seltsam aufgeregte Gefühl empfand auch unbekannte vergangene Zeiten wie ge-

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