Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Die Judenstadt
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 449 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE JUDENSTADT 449 Herzens, bei den Wechsellallen des Schicksals. Man darf dabei ruhig in Rechnung stellen, daß der eine Teil Geselligkeit lieble und von der Gesellschaft sich leichler ablenken ließ, während der andere — es war die Mehrzahl der angesehenen Bürger — sich nur an die Familie hielt. Auf beiden Seiten war eine prachtige Intensität, des Lebens vorhanden. Jeder hat auf seine Weise sein Leben wirklich erlebt. Und eben deshalb erschien fast jeder als ein markanter Charakter. Warum ich das alles hier erzähle? Nun, jede Stadl hat ihre Menschen, bekommt von ihnen ihr Gesicht und Wesen und wird mit ihnen anders. Heute schläft sie, müd im Sommer, müd im Winter, trotzdem alle ihre Häuser bewohnt sind wie seinerzeit, freilich mit anderen, auch, nichtjüdischen Menschen. Damals aber! Wie war sie anzusehen an den Feierlagen, wenn auch aus den umliegenden Dörfern die Juden hereingekommen waren und die drei benachbarten Beihäuser bis zum Bersten füllten. Wie feierlich war diese Zusammenkunft aus so weit entlegenen Gegenden, wie sinnvoll die Begegnung und Begrüßung nach so Jangen und doch regelmäßigen Pausen, wie behaglich die Auflösung der Menge nach der Andacht! Die Gesichter der Männer glänzten, neue Stiefel knarrten, auf stattlichen Bäuchen spielten Uhrketten in der