Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Judentum und Alexandrinismus
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 443 (sequence 9)
- Language
- German
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JUDENTUM UND ALEXANDRINISMUS 443 hatte dieses Judentum ja unschädlich gemacht, weshalb eine Wirkung vorher nicht möglich war (nur auf dem Umwege des Christentums). Zum anderen trugen die jüdischen Salons in der Romantik wesentlich dazu bei, den Orientalismus zu heben. Man sollte einmal die deutsche Romantik von dieser soziolo gischenFor m desjüdisch en Salons untersuchen, man würde gewiß zu überraschenden Ergebnissen gelangen. So steht auch heute wieder das Judentum dem Hellenismus gegenüber. Aber es gibt auch heute wieder Pharisäer, Sadduzäer und Essäer unter dem Judentum. Und im gleichen Maße, wie sich das Judentum hellenisiert, judaisiertsich der Hellenismus der Klassik. Der entscheidende Unterschied von ehedem und heute darf jedoch nicht übersehen werden. Im Griechentum und Judentum standen sich gewiß Europa und Asien gegenüber, aber gleichsam in einem vorgeschichtlichen Stadium, das Abendland als Einheit existierte noch nicht. Die beiden äußersten Enden der Balkanhalb - insel und der arabischen Halbinsel, Athen und Jerusalem, waren Nadelspitzen im Vergleich zu den beiden riesigen Reichen Abendland und Morgenla n d, die sich hinter ihnen dehnten. Dabei war das Morgenland ein Spätling, das Abendland ein Frühling (wenn man so sagen darf). Heute ist auch das Abendland ein Spätling. Und so stellt sich sowohl für Morgenland und Abendland, wie für die beiden Brückenvölker, Griechentum und Judentum, das Problem grundsätzlich anders: Das Judentum geht zurück nach Asien, um Asien zu reaktivieren und es in den Gesamtzusammenhang mit der europäischen Kultur zu stellen. (Denn das Judentum ist heute genau so amerikanisiert wie orientalisiert.) Damit werden Europa und Asien für einen Gesamtzustand reif, den wir als Weltkultur bezeichnet haben. Die Sendung des Judentums ist heute erfüllt. Noch nicht seine eigene Aufgabe, denn jetzt erst steht dem Judentum die Epoche seiner Plastizität bevor. Jetzt erst wird es den Hellenismus verarbeiten und mit dem Judaismus verbinden. Wenn es dem Judentum gelingt, eine nationale Kultur in Palästina zu schaffen, so wird diese nationale Kultur ja doch nur Teilausdruck einer planetarischen Kultur sein. Deshalb brauchen die Kosmopoliten im Zionismus keinen engherzigen Nationalismus zu sehen. Das Volk der Diastole braucht notwendig seine Systole — um wieder in die höhere Diastole einzugehen. Damit weicht das Judentum der Gefahr aus, seine Kultur zu nivellieren. Es wird und muß eine „jüdische