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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. Seite 442

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Judentum und Alexandrinismus
Date
1928-08-01
Page
Seite 442 (sequence 8)
Language
German
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442 MENORAH suchen, das Fremde mit dem Eigenen zu verbinden, aber doch mit dem Übergewicht des Eigenen, die E s s ä e r, die in der asketischen Weltflucht Schutz suchen vor der Entartung der Zeit. Und zu diesen drei Gruppen treten drei Persönlichkeiten, die nach dem gleichen Ziele streben: Hillel, der Babylonier, Philo, der Alexandriner, Jesus, der Nazarener. Diese drei Gruppen und diese drei Persönlichkeiten krönen die damalige Zeit, aber sie sind die drei Elemente überhaupt, die im Judentum enthalten sind: das Starre, das Bedingte und das Unbedingte. In ihren repräsentativen Ausdrucksformen haben sie nicht nur das Schicksal des eigenen Volkes dargestellt, sondern das Problem des Abendlandes aufgewirbelt, unausrechenbar entfernt von allen anderen Anstößen der Weltgeschichte. III. Alexandrinismus Es ist keine Frage: wir leben heute in einer Epoche des Alexandrinismus, wie ich zum Eingang schon hervorgehoben habe. In das Abendland ist das Morgenland hereingebrochen. Griechentum und Judentum stehen sich wieder gegenüber: in Klassik und Romantik. Mit der deutschen Klassik schließt, der Prozeß des Hellenismus ab, er geht von Alexandria über Rom und Florenz nach Weimar. Antike — Renaissance — Klassik sind die drei Stadien dieses abendländischen Hellenismus, der von Alexandria seinen Ausgang genommen hat. Aber von Alexandria haben auch drei andere Stadien der abendländischen Geistesgeschichte ihren Ausgang gefunden: Urchristentum — Gotik — Romantik: es sind die drei Stadien des Judaismus. So ist jene große Mischquelle Alexandria der Emanation sp unkt der europäischen Dialektik. Damit sehen wir klar: der moderne Alexandrinismus beginnt mit der deutschen Romantik. Dort ist der Orientalismus hereingebrochen und mit ihm das Judentum. Die Klassik Goethes war durchaus hellenisch, wenn auch im Untergrund der Strom des Orientalismus rauschte. Die Romantik Hölderlins war durchaus judaisch-christlich, wenn auch im Hintergrund das Bild der Klassik schwebte. Hölderlin hat das Griechentum romantisiert, wie später Nietzsche (der ihn nicht umsonst verehrte), und darum orientalisiert. Die Rolle des Judentums bei diesem Prozeß der Romantisierung darf nicht unterschätzt werden. Einmal war die jüdische Emanzipation, getragen durch die französische Revolution, die Tatsache des Hereinbruches eines orientalischen Volkes, denn das Ghetto

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