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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. Seite 444

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Judentum und Alexandrinismus
Date
1928-08-01
Page
Seite 444 (sequence 10)
Language
German
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444 MENORAH Kultur" geben, denn nur dann gibt sie einen Baustein ab im Gesamt bau einer ökumenischen Kultur. Das ist der Sinn seiner Rückwärtsbewegung nach Asien. Der Unterschied des antiken und des modernen Alexandrinismus besteht im Grad der Bewußtheit. Die Bewußtheit hat einen höchstmöglichen Stand erreicht, sie befindet sich in der Rückwärtsbewegung. Diese Rückwärtsbewegung äußert sich zunächst als Romantik, in Wirklichkeit bedeutet sie nur ein Ausfüllen des abstrakten Bewußtseins mit konkreten Inhalten. Die „Entwicklung" hat ihre Akme überschritten, jetzt be ziehen wir nach rückwärts die zurückgebliebene Welt mit herein. Deshalb haben wir seit der Romantik die orientalischen, primitiven und prähistorischen Kulturen erforscht, haben wir sie aktiviert oder reaktiviert. Die europäische Expansion ist eine technische. Mit dieser Technik verbinden wir den ganzen Erdraum unc': bringen die Kulturen und Menschen einander näher. So ist der Untergang des Abendlandes" in Wahrheit nur eine große Bewußtseins k r i s e. Die orientalisch-primitive prähistorische Kulturwelt ist gleichsam das Unbewußte, mit dem wir unser abstraktes Bewußtsein aus füllen. Bei dieser ganzen R ü c k w ä r t s b e w e g u n g ist es begreiflich, daß das Volk, das selbst in der Umkehr begriffen ist, das Judentum, einen hervorragenden Anteil daran haben muß. Das Judentum ist Träger des historischen Alexandrinismus, es ist auch Träger des gegenwärtige n. Wie jener Prozeß der Amalgamierung zu einer großartigen Geschichtsbildung, dem Abendlande, geführt hat. so wird auch dieser neue Prozeß der Amalgamierung zu einer großartigen Geschichtsbildung führen: zu E urasien (ich nenne es Mittagland: als die Summe von Morgenland und Abendland ~ Medien t): zu der Erweiterung des Kulturraumes als dem gesamten Erdraume. In diesem Gesamtbild wird das Abendland ebenso wenig untergegangen sein, wie es das Morgenland je war: d i e r h y thmischen Impulse werden sich verschieben und der Pendel wird hin und her schwingen. Sollen wir wünschen, daß dieser Pendel je stillesteht? Es hieße wünschen, daß die Welt stillesteht. Darum wollen wir glauben, daß das Abendland nicht untergeht, trotz der Parallelezum Alexandrinismus und trotz der all gemeinen Symptome der europäischen Degenereszenz.

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