Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Judentum und Alexandrinismus
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 437 (sequence 3)
- Language
- German
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JUDENTUM UND ALEXANDRINISMUS 437 zu sehr die äußeren Momente sah, wie Auflösung des Volkes, Aufnahme griechischer Kulturelemente innerhalb des alexandrinischen Judentums, Symptome einer scheinbaren Dekadenz usw. Wichtiger als alle diese Dinge ist die Tatsache, daß in Alexandria die Bibel ins Griechische übersetzt wurde. Hier begann die Durchdringung des Griechentums mit jüdischem Geist. So fand die orientalische Gedankenwelt in das okzidentale Griechentum den ersten Eingang. Der „Alexandrinismus" kann also nur vom Judentum her begriffen werden. Das Judentum übernahm griechische Formen und das Griechentum jüdische Inhalte. So gerieten beide in Krisis und Auflösung. Daß der „Alexandrinismus" nur vom Judentum her begriffen werden kann, geht aber vor allen Dingen aus den beiden stärksten Ballungen der damaligen Zeit hervor: aus Philo und Jesus. In beiden sind die Forrnelemente des Griechentums mit den Wesenselementen des Judentums verknüpft. Man unterschätze nicht die jüdischen W-esenskräfte in Philo, dieses einzigen großen Zeitgenossen Christi. Er hat den jüdischen Monotheismus als Keil in das griechische Denken geschoben, mit ihm beginnt die Religionsphilosophie. Bei Jesus sehen wir gewiß die platonischen Einflüsse. Man vergleiche Piatons Auffassung der sinnlichen Welt im „Theaitet" und seine Auffassung von der Seele im „Phaidon" mit der Lehre Jesu und es ist gewiß nicht schwer, Zusammenhänge aufzuweisen. Allein, was von Jesus auf das Abendland gewirkt hat, das war nicht der Piatonismus, sondern der Judaismus, Jesus hat den Piatonismus judaisiert. In einer Erscheinung wie Plotin sehen wir deutlich diese Wirkung. II. Hellenismus und Judaismus Aus dem Griechentum wurde der Hellenismus, aus dem Judentum der Judaismus. Beides, Hellenismus und Judaismus, sind losgelöst von der Substanz des Volkes, sind Ideen. Als solche wurden sie erst übertragbar. Ich gebe einen geschichtlichen Überblick über den Prozeß der Hellenisierung des Judentums und der Judaisierung des Griechentums. Daraus w7ird ersichtlich werden, daß die Betrachtung des „Alexandrinismus" vom Judentum her die weitaus fruchtbarere ist. Welches ist die geschichtliche Situation von etwa 330 ab, als die Juden unter die mazedonische Herrschaft kamen? Alexander und die Judäer waren einander friedlich begegnet. Judäa wurde so zum