Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Judentum und Alexandrinismus
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 436 (sequence 2)
- Language
- German
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436 MENORAH zu einem anderen Ergebnis führen muß als der geschichtliche, das geht aus der entgegengesetzten Position dieses Judentums hervor. Damals ging das Judentum ins Exil, heute geht es aus dem Exil. Damals ging es aus Asien nach Europa, heute geht es aus Europa zurück nach Asien. So ist der Prozeß der Amalgam ierung ein anderer: aus der damaligen Trennung wird eine Verbindung — Jerusalem wird zur Brücke zwischen Europa und Asien. So sind heute die Voraussetzungen einer allgemeinen Weltkultur geschaffen. Ich betrachte das Phänomen des „Alexandrinismus'' nicht vom Griechentum her, sondern vom Judentum. Darum sage ich Judentum contra Griechentum. Schon im babylonischen Exil, unter der Herrschaft der Perser, hatte das Judentum den ersten Kampf um seine Idee zu bestehen. Aber erst im Griechentum trat ihm eine Macht gegenüber, die als stärkster Gegensatz zur Idee des Judentums wirkte. Mit der Kontroverse Judentum contra Griechentum begann der sichtbar-h er o.i sehe Kampf des Ethos gegen den Logos, der Religio gegen dieRatio, des Lebens gegen den Geist. Alexander, der Makedonier, der seine Bildungselemente von Aristoteles empfangen hatte, schuf das große Chaos griechischen und jüdischen Geistes. Durch ihn wrurde eines der größten weltgeschichtlichen Probleme inauguriert: das Problem, das durch die zwei Jahrtausende latent vorwärts wühlte, und das erst seit Nietzsche wieder akut geworden ist: das Problem des jüdischen Geistes. Es ist ein Akt welthistorischer Ironie, daß der Verbreiter des Griechentums die Konstellation zugunsten des Judentums verschoben hat. Zwar ist ja äußerlich das Judentum als Volk zugrunde gegangen, aber die j ü d i s c h e I d e e hat den Golus überdauert, und so war sein äußerer Untergang doch ein innerer Triumph. Das leibliche Zerfallensein konnte doch nicht die geistige Einheit zerstören. Heute sehen wir das Judentum auch wieder seine leibliche Einheit zurückerobern : die jüdische Idee wird wieder jüdische Wirklichkeit. Wird auch die griechische Idee wieder Leib werden in dem Volk, das sie einst erzeugt hat? Wir wissen es nicht, wir wissen nur, daß der Zionismus zu einer großen Bewegung geworden ist und daß das Judentum die Vernichtung Alexanders so überdauert hat. Ich sage: Alexander, der Verbreiter des Griechentums, hat d i e Konstellation zugunsten des Judentums verschoben. Dieser Aspekt ist neu. Man konnte nicht dahinterkommen, weil man