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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. 435

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Judentum und Alexandrinismus
Date
1928-08-01
Page
435 (sequence 1)
Language
German
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JUDENTUM UND ALEXANDRIN ISMUS er Begriff des „Alexandrinismus" ist seit Nietzsche und J_ß Spengler zum Sammelbegriff des allgemeinen Kulturverfalls geworden. Die allgemeinen psychologischen Wurzeln dieser Erscheinung haben Nietzsche und Spengler bloßgelegt; was sie nicht bloßgelegt haben, das sind die tieferen historischen Ursachen, die zum „Verfall" geführt haben. Die Tatsache der griechischen E x p a n s i o n ist nur die eine Seite der „Auflösung" — alle Wirkung ruft Gegenwirkung hervor. Die Gegenwirkung ist der Orient, der durch die Ausbreitung des Okzidents als inhaltliche Welt die Welt der hellenischen Formen durchsetzte und schließlich unterwühlte. Der Alexandrinismus beruht auf der Kontroverse O r i e n t—O k z i d e n t, und die Erscheinung Jesu ist ihre Synthese. So ist die Analogie Nietzsches und Spenglers (die Homologie) mit der Gegenwart durchaus richtig insofern, als heute die Kontroverse Orient—Okzident wieder sichtbar geworden ist und als wir uns um eine neue Synthese bemühen. Damals lag das Übergewicht auf dem Orientalis mus, heute wird es auf dem Okzidentalismus liegen — das ist der ganze Unterschied. Sonst sind die Erscheinungen der Amalgamierung gleich. Die historischen Ursachen liegen also nicht nur in der okzidentalen Expansion, sondern auch in der orientalischen Emanzipation. Welches aber waren die damaligen geschichtlichen Träger der Kontroverse? Griechentum u nd Judentum. Alexanders Herrschaft über die Judäer ist der Auftakt eines weltgeschichtlichen Schauspiels, das uns zwei ungeheure geschichtliche Krisen erleben ließ: die Zersetzung des Griechentums und die Entstehung des Christentums. Mit Alexanders Herrschaft beginnt der Kampf der beiden größten geistigen Mächte, die das Abendland bestimmt haben: Griechentum und Judentum. Was Wunder also, wenn gerade heute, in der Epoche des „A lexandrinismus", der alte historische Gegensatz wieder auftritt, wTenn zunächst auch als dialektischer Gegensatz. Daß es aber mehr ist als nur geschichtliche Dialektik, das sehen wir an der großen Rolle des wirklichen Judentums im Prozeß der allgemeinen europäischen „Auflösung". Daß aber auch der heutige „Alexandrinismus" Von Heinrich Beri I. Griechentum und Judentum

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