Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Renaissancemenschen und Juden
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 429 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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RENAISSANCEMENSCHEN UND JUDEN 429 hervor. Einleitend zeigt er, daß auch die Thora den Wert der geographischen Forschung zu schätzen wisse, indem sie sorgfältig die Grenzen des Heiligen Landes verzeichnet und auch sonst die erdkundlichen Tatsachen mit aller nur wünschenswerten Genauigkeit angibt. Das Paradies, das das 2. Kapitel der Bibel schildert, sei kein Phantasiegebilde, und auch nicht im Himmelreich zu suchen, sondern es liege auf Erden, wie ja die Bibel genau die Flüsse, die es durchziehen, angibt: ein Vorgänger Friedrich Delitzsch' Untersuchung: „Wo lag das Paradies?" Vor dem Herzog hält er Religionsgespräche mit gelehrten Mönchen. In seinem „Magen Abraham" (Schild Abrahams) haben wir den literarischen Niederschlag dieser Disputationen. Bleibenden Wert hat sein Nachweis von der Bibelwidrigkeit einzelner kirchlicher Dogmen, wie Dreieinigkeit, Erbsünde, Menschwerdung Gottes u. a. Lesenswürdig ist auch seine eingehende Verteidigung der Juden gegen den schweren Vorwurf wucherischer Ausbeutung. Hier hat er im Kampfe für Israels Freiheit zwei Größeren tüchtige Waffen geboten: Manasse ben Israel und Moses Mendelssohn. I-Jin anderer durch judenfreundliche Gesinnung ausgezeichneter Gelehrter Ferraras war Celio Calgagini, der vor Kopernikus die Tatsache der Erdbewegung lehrte und in seinem Freimut sogar eine Kritik Ciceros, des damaligen Stilideals, wagte und frei von dem italienischen Vorurteil, das in den Deutschen nur Tölpel sah, die Berufung eines deutschen Professors namens Ziegler nach Ferrara durchsetzte. Celio protegierte auch Juden und bei der Promotion eines gewissen Rüben bekennt er vor der Hörerschaft: „Die Wissenschaft kenne keinen Unterschied zwischen Juden und Christen", ein Ausspruch, gegen den die Unduldsamkeit auch heute noch Front macht. Solche Gesinnung war bei den aufgeklärten Renaissancemenschen keineswegs allgemein. Joh. Tritlemius, „der Magus des Südens", ein alchimistischer Schwarzkünstler und schamloser Geschichtsfälscher, beschuldigt die Juden des Ritualmordes und wagt Belege dafür aus einer Quelle zu erbringen, die ausdrücklich bemerkt, daß der Kaiser trotz eingehender Untersuchung die Beschuldigung der Juden nicht für begründet befunden hätte. Er gehört in die Linie der pseudowissenschaftlichen Judenhetzer, die mit Maneo-Apion begann und mit Düring-Lagarde-Treitschke-Chamberlain nicht endigte. Schließlich muß er widerwillig — wie in der talmudischen Sage der Engel des Bösen — zugeben, daß die Hauptquelle des Judenhasses die Habgier des Pöbels sei, der sich am Besitz der Juden bereichern möchte.