Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Renaissancemenschen und Juden
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 428 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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428 MENORAH italienischen Grafen die Berufung als Professor an die Universität Padua, an der der jüdische Philosoph sich hohes Ansehen erwarb. Als einst ein gewaltiger Geisteskampf zwischen zwei philosophischen Lagern dort wogte, und man diesen nach damaligem Brauch mit Rapier und Stoßdegen ausfocht, disputierte del Medigo als Schiedsrichter öffentlich über die strittige Frage. J-jlia war aus Kreta, seine Familie soll deutschen Ursprungs gewesen sein. Einer seiner Nachfolger in Padua, Elia Hab a diu r, war auch deutschen Ursprungs. Im schweren Kampf ums tägliche Brot lehrt er Hebräisch zu Padua. Er ist der Verfasser eines Glossems zu Kimchis Grammatik, die durch die Übersetzung von Sebastian Münster, Reuchlins Schüler, Weltruf erlangt hat. Nach der Plünderung Paduas fand er Aufnahme im Hause des Kardinals Egidio de Viterbo. Dieser hervorragende Geistliche hat sich auch einst als Mäzen jüdischen Gelehrten gegenüber bewiesen. So ließ er durch Baruch von Benevent das Grundbuch der jüdischen Mystik, den Sohar, übersetzen. Mag auch all den Akten der Wohltätigkeit gegen jüdische Forscher mehr oder minder rege Bekehrungs sucht zugrunde liegen, es ist doch ein weltenweiter Gegensatz zwischen dieser humanen Denkart und einer Gesinnung, wie sie das Haupt der Scholastik, Thomas von Aquino, in seiner Summa in Kapitel: ,,De regimine Judaeorum ad brabantiae ducissam" (Über die Behandlung der Juden an die Herzogin von Brabant) kundgibt. Auf die Frage, wie und wann eine Gütereinziehung der Juden statthaft sei, gesteht er, daß solche Konfiskation des jüdischen Vermögens angängig sei, da die Juden als ewige Sklaven mit ihrem Vermögen ihrem christlichen Landesherrn haften. Wenn man ihnen einen Rest, das zum Leben Unentbehrlichste, belasse, so geschieht das aus der Erwägung, daß man auch mit den Ungläubigen anständig verfahren soll, damit der Name Gottes nicht geschändet werde. Auch in Ferrara gelang es jüdischen Gelehrten, die fördernde Unterstützung christlicher Wissenschaftsfreunde zu finden. Sogar an dem Herzog Ercole d'Este von Ferrara,den der Papst ,,mercatante", den kleinlichen Krämer" nannte, fand ein Jude einen Gönner. Es war dies Abraham Farrissol aus Avignon. Die Not hatte ihn aus seiner Heimat getrieben. In Ferrara verdiente er sich als Abschreiber und Vorbeter einen kärglichen Unterhalt. Sein christlicher Umgang und der Verkehr am Hofe regten ihn zur Abfassung einer hebräischen Länderkunde — Orchot Olam, an. Die neuen Entdeckungen brachten damals auf dem Gebiete der Geographie einen ungeahnten Aufschwung