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Menorah · 1928-08-01 · Heft 8 (August 1928) · p. Seite 430

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 8 (August 1928)
Article
Renaissancemenschen und Juden
Date
1928-08-01
Page
Seite 430 (sequence 8)
Language
German
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430 MENORAH In der Gehässigkeit gegen Israel ist mit ihm Nikolaus v. Gusa zu vergleichen, der ihn sonst um Haupteslänge als Denker überragt. Dieser Kardinal war ein> Kenner der Philosophie, ein gedankentiefer und origineller Mystiker, ein gelehrter Astronom, der die Erdachsendrehung entdeckte und den Kalender verbesserte. Auch in seiner Abneigung gegen das Judentum war er nicht ohne Sonderbarkeit. Die Juden sollen unter Beibehaltung ihrer Sonderbräuche das Dreieinigkeitsdogma annehmen, also Judenchristen werden, wie die in Rußland vor etwa zehn Jahren durch Rabinowitsch gestiftete Sekte. Natürlich fand Nikolaus v. Cusa mit seinem Vorschlag bei den Juden wenig Beifall. Aus Rache verlangt er auf dem Provinzialkonzil zu Bamberg sorgsame Befolgung der Judenabzeichenordnung. Die Männer sollen einen roten runden Fleck auf ihrer Brust, die Frauen einen blauen Streifen am Kopfbund tragen. Er wollte Israel zu einem Pariavolk stempeln und verdankte doch jüdischen Philosophen so manche Anregung. So beruft er sich auf eine Lehre des Maimonides, die, wie Guttmann in seiner Schrift über die Scholastik versichert, auch sonst in der Frührenaissance großen Eindruck gemacht hatte: nur sittliche Attribute dürfen von Gott angenommen und unterschieden werden: von Gottes Wesen und Wegen darf uns nur das interessieren, was wir für unsere Sittlichkeitsbestrebungen brauchen. In die Kreise der deutschen Humanisten führt uns Reuchlin, dessen Name zuerst genannt zu werden pflegt, wenn von den Beziehungen der Humanisten zum Judentum die Rede ist. Ihn hatten jüdische Lehrer, der kaiserliche Leibarzt Jakob Loans und der römische Bibelerklärer Obadja Sforno, im Hebräischen unterwiesen. Seine hebräische Elementargrammatik „rudimenta hebraica" folgte im wesentlichen dem Kimchischen Grundriß. Reuchlin, der in seinem hebräischen Lehrbuch ein Monument dauernder als Erz und Stein aufgeführt zu haben glaubte, lehrt die Wichtigkeit der hebräischen Sprache für die richtige Erkenntnis der Bibel. Dem oft irrigen Vulgatatext stellt er die „hebräische Wahrheit" gegenüber: „Soll ich leben, so muß die hebräische Sprache herfür; mit Gottes Hilfe, sterb' ich dann, so hab' ich doch einen Anfang gemacht." Von christlichen Kennern des Hebräischen förderten ihn durch seine Bücher vor allen der Ingolstädter Professor Petrus Schwarz, der 1473 Bekehrungspredigten im Regensburger Judenviertel ohne Erfolg gehalten hatte und dann einen tractatus ad judaeorum extirpandam

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