Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 8 (August 1928)
- Article
- Renaissancemenschen und Juden
- Date
- 1928-08-01
- Page
- Seite 426 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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426 MENORAH nicht verbergen konnten. Man sah in ihnen indirekte Helfershelfer der Judenbekehrung. Eine der sympathischesten christlichen Persönlichkeiten seiner Zeit, die von jüdischen Lehrern in die Kenntnisse der hebräischen Sprache eingeführt wurden, war Giovanni Pico de la Mirandola, eine der glänzendsten Gestalten aus dem heitern, froh gesinnten Kreise Lorenzo de Medici, ausgezeichnet durch Schönheit und Gedankenreichtum. Ais seine Mutter, die schöne Julia, ihn gebar, umstrahlte ihn ein himmlischer hellstrahlender Schein, der schnell verlosch, eine sinnige Vorbedeutung für sein Leben und seinen frühen Tod. In sieghafter Schönheit gewann er alle Herzen, und von allen geliebt, sank er vorzeitig ins Grab; Harmonie und Anmut eigneten ihm als Menschen und Schriftsteller. Er will nicht trennen und verletzen, sondern verbinden und vereinen, in seinem Leben wie in seinen Schriften. Wie ein jüdischer Alexandriner aus der Zeit Philos, sucht er Griechentum und Judentum zu verbinden. Die Sprache Sems fesselt ihn nicht minder als die von Hellas, und die jüdische Geheimlehre der Kabbala umfaßt er mit liebender Verehrung wie die Geistesschätze der griechischen Philosophie. Er sieht in der hebräischen Literatur einen Bundesgenossen in der christlichen Missionsarbeit an Israel. Denn die jüdische Mystik gilt ihm als eine Bestätigung des Christentums. Ein Körnlein Wahrheit liegt übrigens in dieser Auffassung. In der Tat walten innige Beziehungen zwischen der altjüdischen und altchristlichen Gnosis. Nur steht das offizielle Kirchen Christentum dazu in einem gar losen Zusammenhang. Doch fanden die Bekehrungsversuche des geistreichen Schwärmers und seine ganze literarische Tendenz nicht nur bei den orthodoxen Kirchen oberen abfällige Kritik. Savonarola, dieser glutvolle Prediger der Umkehr zur altchristlichen Sitteneinfalt, ein durchaus selbständiger Denker, verheißt ihm das Fegefeuer für seine Schriften. Es war die neue humanistische Bildung, aus der der Kardinal von Venedig Toleranz gewann. Dem Humanismus dankte auch Giovanni de Medici als P a p s t L e o X. seine Duldsamkeit gegen die Juden. Unter ihm waren beim Pontifikat römische Rabbiner so angesehen, daß christliche deutsche Gelehrte ihrer Fürsprache sich bedienten. Er machte einen jüdischen Komponisten zum Grafen, privilegierte eine hebräische Buchdruckerei und sorgte für die Drucklegung des Talmuds. Elia del Medigos hebräische Grammatik ist dem Kardinal de Viterbo gewidmet. In einem andern Christen, in Paulus Fagius, dem Schüler Reuchlins, fand er einen gütigen Gönner, der ihm zu