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Menorah · 1928-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1928) · p. Seite 411

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-06-01
Page
Seite 411 (sequence 7)
Language
German
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VOM NIL ZUM JORDAN 411 im Norden Palästinas, der noch in türkischen Händen war — in Sichron Jaakob und Chedera, in Haifa, in den Kolonien Ober- und Unter¬ Galiläas unter den jungen Leuten große Aufregung herrsche; einige hätten sich sogar durch die türkischen Grenzpatrouillen hindurchgeschlichen und wären nach Petach-Tikwah gekommen, um zu fragen, wo sich die Legion befinde. ...Eines schönen Morgens sagte Patterson zu mir: „Packen Sie Ihre Siebensachen, ich habe die Erlaubnis erhalten, mit Ihnen nach Palästina zu reisen." Im Zuge hatten wir beide die ganze Nacht hindurch kein Auge geschlossen. Nicht meiner Aufregung wegen, sondern wegen der Aufregung Golonel Pattersons. Es ist schwer, einen Begriff davon zu geben, was es für einen Protestanten bedeutete, Namen zu „durchleben" wie Wüste Sinai, Gaza, Ludd. Als kleines Kind saß er jeden Sonntag eine Stunde lang in sich versunken am Feuer, indes sein Vater der ganzen Familie einen Abschnitt aus der englischen Bibel vorlas. „Suezkanal!" Für mich war er auch von großer Bedeutung, eine ungeheure technische Leistung. Aber für Colonel Patterson war dies eine persönliche Erinnerung, die ihn an seine eigene Heimat, wie auch an die schönsten Legenden erinnerte, die er gehört hatte, noch bevor man ihm das erste Märchen erzählte von den irischen Berggeistern und Zauberinnen und von der Königin Deirdre, derentwegen so viele Helden ihr Leben lassen mußten; für ihn war es die Teilung des Schilfmeeres, Moses mit dem langen Bart, Pharaos eiserne Streitwagen, Säulen aus Feuer und Rauch. Der Mond, die Morgenröte, die Sonne — und rings um uns immer das gleiche, immer Wüste mit kleinen Grasflecken. Etwas mehr Grün: Gaza, ein graues, staubiges, verwüstetes, arabisches Städtchen in meinen Augen — aber ein Andenken an Simson und an die fröhlichen Philister für meinen Golonel. Dann wieder Wüste, und plötzlich — eine neue Welt, ein grüner Eukalyptuswald, schier unendliche Weingärten, reine weiße Häuser mit roten Dächern, eine andere Welt, ein Stück Europa. Ich hörte, wie der Golonel einen Schaffner fragte, der selbstverständlich Soldat war: „Was ist das?" „Doiran", erwiderte er. Und zum erstenmal fühlte ich die Geringschätzung, die man hier der jüdischen Arbeit entgegenbrachte. Sie scheint in Allenbys Generalstab Prinzip gewesen zu sein. „Doiran?" Das ist doch unsere Kolonie Rechoboth. Doiran nennt sich ein kleines arabisches Dorf, das dahinten kaum bemerkbar ist. Aber so wollte es Allenby haben: Petach-

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