Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 408 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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408 MENORAH gelegt und der Colonel sagte den Soldaten voll Ernst: „Jetzt kann euch kein deutsches U-Boot mehr was anhaben — mit diesem Talisman auf dem Schiffe." Die Meer fahrt dauerte nicht ganz zwei Tage. Sie verlief schön und ruhig. Wir hatten nicht einen einzigen Seekranken, obwohl Sergeant Schifrin, der Hauptschalk des Bataillons, an jedem Morgen nach allen Regeln des Drills eine „Seekranken-Parade*' abzuhalten pflegte. Er kommandierte: „Freiwillige vor**, stellte sie in einer Reihe, drei Schritte vom Bord auf und kommandierte: „Rieht* euch! Zwei Schritte vor! Marsch! Kopf nach vorn! Griff zurück!*' In Alexandrien gab uns die sephardische Judengemeinde einen wunderbaren Empfang. Ich sah die alten Freunde aus den Gabbari*'-Tagen wieder: den Oberrabbiner Rafael della Pergola, Baron und Baronesse de Mienasse, Edgar Suanes, Joseph de Picciotto ... „Das Zion-Mule-Corps war unser Sohn, die jüdische Legion ist unser ,Enkelkind' " sagten sie. In der Hauptsynagoge wurde ein feierlicher Gottesdienst zelebriert, in Anwesenheit des Gouverneurs, der Generalschaft, der Konsuln der alliierten und neutralen Mächte und der arabischen Notabein. Dasselbe in Kairo. General Allenby befand sich mit seinem Hauptquartier bereits in Palästina, nicht weit von der Kolonie Beer-Jaakob; aber der englische Oberkommissär Sir Reginald Windham empfing vor dem Tore seiner Residenz den Salut des marschierenden Bataillons und hörte die „Hatikwah" mit der Hand am Kappenschilde an .. . (Die späteren düsteren Tage waren noch fern, da General Money, der Chef der Militärverwaltung Palästinas im Jahre 1919, in Jerusalem, es für nötig fand, in Gegenwart aller jüdischen, englischen und arabischen großen Herren demonstrativ sitzen zu bleiben, als die jüdische Hymne gespielt wurde!) Man wies uns in Helmia, unweit von Kairo, ein Lager zu, damit das Bataillon seine Ausbildung vervollkommne. Es war heiß, man konnte nur am Frühmorgen und nach fünf Uhr abends exerzieren. Und fast jede Woche fand ein „Ball" statt — bald in der Stadt zu Ehren des Bataillons, bald im Lager zu Ehren der Juden Kairos. Außer den gewöhnlichen Arbeiten eines Zugskommandanten bekam ich in Helmia noch ein Amt zugewiesen: nach dem Militärgesetze mußte die ganze Korrespondenz der Soldaten die Zensur eines Offiziers passieren. Unter unseren Offizieren gab es keinen, der jüdisch lesen konnte, weshalb ich den Befehl erhielt, alle Briefe, die nicht englisch geschrieben waren, zu zensurieren. Hier „entdeckte" ich zum ersten