Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 407 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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VOM NIL ZUM JORDAN 407 Margolin in Portsmouth geblieben), pflegte sich lachend zu beklagen: „Erhalte ich da plötzlich den Befehl, mich zu erinnern, daß ich Jude bin und muß in die jüdische Legion eintreten! Das hat wahrscheinlich zu bedeuten, daß ich von nun ab ein „conscripted Zionist" bin. Gut denn! Wenn dem so ist .. ." Und er verfaßte ein zionistisches Soldatenlied voll nationaler Begeisterung und mit allem Drum und Dran. Nun schön. Ich sagte ja bereits, daß der Unterschied zwischen einem Freiwilligen und einem „conscript" (Eingezogenen) nicht so groß ist. Der beste Zionist von der Messe war aber der Colonel. Seine Argumente waren: Ehud und Gideon, Deborah und Barak, König David, der Berg Megiddo, der Mond über der Ebene von Ajalon. .. Der „padre" behauptete manchmal, Patterson sei nicht nur ein einfacher Zionist, sondern sogar Misrachist. Eines ist wahr: der Colonel hatte es, ich weiß nicht wie, durchgesetzt, daß wir an jedem Sabbat in ein Ruhelager kamen. Am Morgen hatten wir „Synagogenparade". Alle Offiziere und alle Soldaten, sogar Christen, mit den Kappen auf. Das Zionsbanner auf einer langen Stange; die Thorarolle, die uns die Judengemeinde von Portsmouth geschenkt hatte; der Chor des Konzertensembles, der die alten Gebete und nach Beendigung der Predigt des „padre" die „Hatikwah" sang. Die Predigt war meist glänzend, denn der junge Rabbiner hatte ein profundes Wissen; er war sehr belesen in den Quadratschrift-Büchern und nicht minder bewandert in der jüdischen Geschichte. Seine Beispiele entlehnte er dem Parteihader zwischen den Sadduzäern und Essäern. Er ergriff warm Partei für die Essäer und wendete sich scharf gegen die Sadduzäer, rühmte die Zeloten, polemisierte gegen den deutschen Bibelkritiker Wellhausen und gegen dessen Schüler Dr. Benzion Mossinsohn vom Gymnasium in Tel- Aviv. Mit einem Wort, unser „padre" war ein netter junger Mann und ich gratuliere der Gemeinde Sydney in Australien, die ihn heute zum Rabbiner hat. In große Städte kamen wir nicht, weshalb wir auch keine Juden sahen. Aber einmal in Italien — wenn ich mich recht erinnere, war es in Faenza — marschierte das Bataillon mit seiner jüdischen Fahne zur Bahnstation. Plötzlich sprang aus einem Tor ein älterer Mann heraus, lief uns nach, deutete auf sich und schrie: „Jehudi, Israel Evviva!'4 In Taranto, unserem letzten Rastort, wo wir eine Woche lang auf den Convoi der japanischen Torpedobootzerstörer warten mußten, gingen Patterson und der Rabbiner zu einem Tischler in die Stadt und bestellten eine kleine Bundeslade aus feinstem Holz. Mit feierlicher Zeremonie wurde die Thora während der Sabbatparade in die Lade