Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Die jüdische Frau und die Presse
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 376 (sequence 2)
- Language
- German
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376 MENORAH sie ihnen Gemäßes in der Presse, auch in der Frauenpresse, aber fast immer nur auch, nicht weil es eine Presse für die Frau ist. Da sind die ganz Primitiven. Ihr Kreis ist „Familie, Bekannte, Erwerb". Die Presse lockt nur, wo sie davon berichtet: Familienanzeigen, Ehegesuche, Geschäftsannoncen. Man findet Bekanntes, oder man geht bei den Meldungen und Gesuchen alten Gedanken und nie erfüllten Träumen nach. — Noch manchmal ein sentimentales Gedicht oder Geschichtchen und Bilder. Der müde, ganz vom Alltag erfüllte Verstand nimmt das Bequemste auf. Das All erbequemste sind Bilder. Wozu der Umweg von dem Wort zur bildhaften Vorstellung? Bilder beweisen, prägen ein, lehren ohne Gedanken. Im Zentrum der Lesenden stehen die vielen jüdischen Frauen mit ernsthaften Gedanken, mit ernsthaftem Willen, die Strebsamen, die Halbproduktiven. Für sie ist die eigentliche Frauenpresse. — Frauen haben ihre besonderen Aufgaben im gesellschaftlichen Leben. Sie sind „Hausfrauen", „Ehefrauen4', „Mütter". Ratschläge für die Hausfrau, Anekdoten und Lehren über den Aufbau des guten jüdischen Hauses, Bestärkung der Traditionsgebundenen, Belehrung für die Ungebildeten, Ratschläge für die Erzieherinnen — Hilfe von Frauen für Frauen; das ist der eine Inhalt der Frauen presse; die Presse für die „Familie", die „Frau im Heim". — Daneben steht der Text für „die Frau in der Gesellschaft", „die Frau im Staat". Mag die Trennung zwischen Männer- und Frauenpresse Voremanzipation, selbst Gegenemanzipation sein: sie scheint heute den meisten Frauen noch notwendig zur Aufrüttlung der Frauen und zur Durchsetzung von Frauenideen und Einrichtungen unter den Männern. Zusammenschluß bedeutet Stärkung derer, die nicht allein zu marschieren wagen, bedeutet Vervielfältigung der Kraft, bedeutet — durch den Lärm der Gruppenbildung — Erweckung Träumender. So ist der Sinn der Frauengruppen und der Frauenpresse: Erziehung und Stärkung der Massen. Erziehung zur Arbeit an der Gemeinschaft. Diese Arbeit liegt fast immer bei der Schulung und der Hilfe für Frauen und Kinder, manchmal auch bei der Gestaltung des Gemeinwesens, oft bei der Hilfe für die Schwachen. Ihre Art? Sie ist abhängig von dem Idealbild der Gesamtheit: anders das Bild des Assimilanten wie das des Zionisten, des Anhängers der kapitalistischen Ordnung wie das des Kommunisten. Wer Entgegengesetztes erreichen will, wählt verschiedene Bilder, fordert verschiedene Leistungen. Immer heißt die Leistung: Gestaltung des eigenen Lebens, Hilfe für die andern. Das Mittel, sie zu erreichen, kann