Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Die jüdische Frau und die Presse
- Date
- 1928-06-01
- Page
- 375 (sequence 1)
- Language
- German
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DIE JÜDISCHE FRAU UND DIE PRESSE Frauenvereine, Frauenkurse, Frauenpresse?" Hat eine besondere Frauenpresse eine Berechtigung? Ist sie Erfolg oder Rückschlag der Frauenemanzipation? Die Frauen haben darum gekämpft, gleichberechtigt neben den Männern anerkannt zu werden, zwischen den Männern zu stehen. Jüdische Frauen waren Führerinnen in der Bewegung. Der eingewurzelte Konservativismus der Juden suchte sie mehr als die übrigen Frauen Europas in ihrer Welt zu begrenzen. Ihr Durchstoß in das europäische Leben durchbrach zugleich ihre Beschränkung als Frau, machte sie zu Kameraden gleichwertiger Männer. Warum noch heute die Trennung zwischen Männern und Frauen, warum eine besondere Frauenpresse? Das ist das erste: Es gibt noch immer einen Kampf um Frauenrechte, auch einen besonderen Kampf um jüdische Frauenrechte. Da ist die Bewegung gegen die talmudischen Ehegesetze, das Ringen um Erwerbsmöglichkeiten und Ausbildungsmöglichkeiten unter den arbeitenden Frauen Palästinas, der Streit um das Frauenwahlrecht in den jüdischen Gemeinden. — Die Presse ist hier Mittel im Kampf um die Befreiung. Ihre Existenzberechtigung ist unbestreitbar. Aber die übrige Frauenpresse? Was will sie? Was rechtfertigt sie? Die unvollkommene Ordnung unserer Dinge und die unvollkommene Ausbildung unserer Frauen. Was will die Frauenpresse im Ideal? Die Frauen soweit ausbilden, daß sie unter größter Ausnützung ihrer Möglichkeiten am Leben der Gesamtheit teilnehmen und das Bild dieser Gesamtheit neu formen. Sie setzt voraus, daß die unvollkommene Ordnung der Welt zu verbessern ist und glaubt an die überlegenen, oder wenigstens besonderen seelischen Kräfte der Frau und die überlegene Fähigkeit von Frauen auf Frauen einzuwirken. Den größten Raum in der jüdischen Frauenpresse nimmt dabei das Blatt der wenig geistigen Frau ein, der Frau, der man die Dinge mundgerecht machen muß, zu deren Gemüt und Verstand man spricht, wie es ihr gemäß ist: Unterhaltung, leichte Schulung von Gedanken, Aufforderung zu kleinen Handlungen — das ist ihr Inhalt; bequem gemacht, angenehm gemacht, — eben „Presse", und mit einem ernsthaften Anstrich — ,,Frauenpresse". Es gibt die geistigen Frauen mit ihrem Willen zum Erkennen des Wahren, mit ihrem Wissen um das Wesentliche. Manchmal finden