Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Die ältesten auf die israelitisch-jüdische Geschichte bezüglichen Inschriften und Papyri der vorchristlichen Zeit
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 347 (sequence 9)
- Language
- German
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DIE ÄLTESTEN INSCHRIFTEN AUF PAPYRI 347 Gottes". Hier wurden die verschiedensten Opfer dargebracht, wie „Speiseopfer", „Schlachtopfer'6 und „Weihrauchopfer". Es war ihnen also vollständig das israelitische Gesetz in Vergessenheit geraten, daß man nur im Tempel zu Jerusalem opfern dürfe. Als ihr Tempel zu Elephantine während der Abwesenheit des persischen Satrapen im Einverständnis mit dem persischen Kommandeur Vidranga zerstört wurde, trauerten und fasteten sie. Dieses beweist, daß der Gottesdienst ihnen inneres Herzensbedürfnis war. Wir finden keine Spur davon, daß die dortigen Juden neben Jahu, dem himmlischen Herrn des Alls, auch andere Götter verehrten4)." Genau so wie in den modernen Staaten den jüdischen Soldaten auf Veranlassung ihrer Geistlichkeit ein Armeebefehl kurz vor ihren Festtagen bekanntgibt, daß sie an diesen Tagen vom Dienste befreit seien, hatte in altpersischer Zeit ein am Hofe des persischen Königs angestellter Jude dafür Sorge getragen, daß durch eine königliche Verordnung den jüdischen Söldnern an ihren Feiertagen Dispens vom Dienste erteilt wurde. So enthält das Bruchstück eines amtlichen Schreibens, das von einem jüdischen thorakundigen Oberbeamten der persischen Satrapie unter der Regierung des Darius II. an „seine Brüder, das jüdische Heer", gerichtet ist, Anweisungen für die Feier des Pessachfestes. Die darin enthaltenen genauen Angaben der religiösen Vorschriften für dieses Fest deuten darauf hin, daß der jüdische Oberbeamte bei den jüdischen Söldnern keine Thorakenntnisse voraussetzte. Es ist ihnen daher auch das biblische Verbot völlig unbekannt, Zinsen zu nehmen. Wenn eine Jüdin in einer Rechtssache mit einem Ägypter vor dem persischen Richter dem ägyptischen Rechtsbrauch folgend bei der ägyptischen Göttin Sati schwört, so ist ihr das biblische Gesetz fremd, daß man nur beim Namen Gottes schwören dürfe. Aber dem altjüdischen Brauche gemäß benannten die jüdischen Militärkolonisten ihre Kinder nach ihren verstorbenen Vorfahren. Daher sind ihre Namen gewöhnlich echt hebräisch, während ihre Sprache aramäisch war. Selbst ein zum Judentum übergetretener Ägypter, der eine Jüdin heiratet, nimmt einen hebräischen Namen (nämlich Natan) an. Die in Assuan und Elephantine gefundenen Papyri sind noch insofern besonders interessant, weil sie uns zeigen, daß die dortigen Juden, obzwar sie nur eine geringe Bildung besaßen, dennoch des Lesens und Schreibens kundig waren und eine weltliche Literatur besaßen. Neben Geschäftsurkunden, Kauf- und Schenkungsverträgen, Ehekontrakten, Gerichtsurkunden und Briefen sind dort nämlich Fragmente einer Unterhaltungsliteratur gefunden worden. Es wurde dort