Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1928-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1928) · p. Seite 348

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1928)
Article
Die ältesten auf die israelitisch-jüdische Geschichte bezüglichen Inschriften und Papyri der vorchristlichen Zeit
Date
1928-06-01
Page
Seite 348 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2912821-2912879-2912886-2922160--06701-2922270
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

348 MENORAH der mit vielen Weisbeitssprüchen und Fabeln versehene Achikar-Roman gelesen, der uns in einer jüngeren syrischen, armenischen und slawischen Bearbeitung erhalten ist, und ferner in den Erzählungen von Tausendundeiii er Nacht sich kurz findet Von dessen Existenz aus vorchristlicher Zeit kündet uns bereits das Buch Tobit an drei Stellen. Aus den Papyri ersehen wir nun, daß diese die Lebensschicksale des weisen Achikar darstellende Erzählung bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. in aramäischer Sprache den Juden bekannt war. Die uns hier vorliegende Form ist von einem Juden bearbeitet worden, der wohl eine in heidnischer Umwelt bereits vorhandene Achikar-Erzählung in monotheistischem Geiste umgestaltet hatte. Die darin enthaltenen zahlreichen Gleichnisse und Fabeln aus der Pflanzen- und Tierwelt zeigen eine nahe Verwandtschaft mit der internationalen Fabelliteratur. Auch wo die Fabel nicht erzählt, sondern nur angedeutet wird, wird sie bereits als bekannt vorausgesetzt. Für die Erforschung des Ursprungs mancher internationaler Fabel ist das Achikarbuch heute von unschätzbarem Werte. Die Tier- und Pflanzen fabeln waren seit alter Zeit bei den Juden sehr beliebt (vgl. Ri. 9, 7 fl\, 2. Kö. 14, 9). Midrasch und Talmud, die zahlreiche derartige Fabeln überliefern, berichten, daß Bar Kappara allein 300 Fuchsfabeln gekannt hatte (Nedarim 50 b). Dieses setzt eine Fabelliteratur bei den palästinensischen Juden voraus. Die in Ägypten gefundenen Papyri werfen auch ein Streiflicht auf das ausgezeichnete Nachrichtenwesen des Achämenidenreiches. So sehen wir, daß Darius I. die große Inschrift, in der er alle seine ruhmreichen Taten verewigte, zugleich in verschiedenen Sprachen, die in seinem Weltreiche gesprochen wurden, übertragen und die auf Papyri angefertigten zahlreichen Kopien an alle Militärkolonien verteilen ließ, damit sämtliche Bewohner seines Weltreiches davon Kenntnis erhielten. Eine solche amtliche „Zeitung" — wohl die älteste, die uns erhalten ist — ist in der jüdischen Militärkolonie gefunden worden. J. S che fielowicz. l) Nach Prof. J. Lewy, der in der babylonisch.en Bezeichnung Habiru „Zugewanderte" ein wesfcsemitisches Lehnwort (vom Stamm© ^yp) sieht, ist dieses Wort erst ganz sekundär im Alten Test, zu der ethnographischen Bedeutung gelangt (vgl. Orient. Lit. Ztg. 1927). 2) Jedoch ist bis jetzt die Deutung dieser Inschriften noch heiß ximstritten. Namhafte Ägyptologen wie Sethe und Fl. Petrie bezweifeln neuerdings, ob die wunderlich ■verschlungenen Linien, aus denen Grimme seine Lesungen gewonnen hat, überhaupt für Schriftzeichen gehalten werden dürfen, da sie zufällige durch die Witterung entstandene Risse im Stein sein könnten. 8) Zur Literatur vgl. besonders H. Grimme, Althebräische Inschriften von Sinai 1923; derselbe: Die Lösung des Sinaischriftproblems 1926; ferner die in der Zeitschr. der deutschen Morgenl. Ges. 1926 enthaltenen Aufsätze. *) Vgl. Scheftelowitz: Die Bewertung der aram. Urkunden von Assuan und Elephantine für die jüdische und iranische Geschichte 1923.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.