Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Einige Bemerkungen über Presse und Judentum
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 337 (sequence 4)
- Language
- German
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PRESSE UND JUDENTUM 337 russische Jude L. Silbermann war. Das Blatt, das formal nach dem Muster der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" aufgebaut war, gewann bald große Verbreitung. Vor allem wurden dadurch die breitesten Schichten des gesamten Judentums, insbesondere der Ostjuden, die ja zum großen Teil des Hebräischen mächtig sind, erfaßt. Auf diesen Grundlagen entwickelte sich nun in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in immer steigendem Maße die jüdische Presse. Es entstehen zahlreiche Organe in deutscher, in hebräischer, in französischer, in englischer, in russischer, vor allem aber in jiddischer (oder richtiger: in jüdisch-deutscher) Sprache. Es gibt Wochenschriften und Monatsschriften, und bald auch große Tageszeitungen. Die jüdische Presse präsentiert sich gegenwärtig in etwa 35 Sprachen, darunter alle großen Kultursprachen, dann weiter hebräisch, jüdisch-deutsch, spaniolisch, das heißt das Idiom, das die vor vier Jahrhunderten aus Spanien vertriebenen und im Orient angesiedelten Juden sprechen, ein Dialekt von ausgesprochen spanischem Gepräge, das sich aber zu dem eigentlichen Spanisch verhält, wie das Jüdisch-deutsche zum Hochdeutschen. Weiter aber gibt es jüdische Presse in arabischer, bucharischer, grusinischer Sprache, ja sogar in einigen indischen Dialekten. Von besonderer Wichtigkeit ist die jiddische (jüdisch-deutsche) Presse, die jetzt zahlenmäßig an der Spitze aller jüdischen Zeitungen steht. Das ist weiter nicht merkwürdig, wenn man bedenkt, daß dieser Dialekt die Mutter- und Umgangssprache von vielen Millionen Ostjuden ist, die, als sie ihre Heimat verließen, ihre Sprache mitnahmen, und so kann man denn jetzt das Jüdisch-Deutsche in der alten Welt vernehmen von Stockholm bis Kapstadt, von London bis Jerusalem. Es ist ein wahrhaft internationales Idiom, und dem entspricht auch die Entwicklung der Presse: überall, wo sich die Ostjuden neu angesiedelt haben, ist auch die jüdisch-deutsche Presse zur Stelle, und es ist ein eigentümliches Gefühl, wenn man zum Beispiel Paris durchstreift und im Zeitungskiosk auf der Place de la Bastille einPariser jüdisch-deutsches Tageblatt aufliegen sieht. Hic et ubique (hier und überall) möchte man mit Prinz Hamlet ausrufen. Ihre Hauptpflegestätte neben dem Osten, wo sich besonders stark die jüdisch-deutsche und hebräische Presse entwickelt hat, hat die jüdische Presse in Amerika gefunden. Die Vereinigten Staaten mit ihren dreiundeinhalb Millionen Juden sind jetzt eines der großen Judenländer der Welt, und die jüdische Presse in englischer und jiddischer Sprache hat sich in staunenswerter Weise entwickelt. Dieser zahlenmäßig so großen jüdischen Presse hat es auch nicht