Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1928)
- Article
- Einige Bemerkungen über Presse und Judentum
- Date
- 1928-06-01
- Page
- Seite 338 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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338 MENORAH an großen journalistischen Talenten gefehlt, namentlich innerhalb der hebräischen Publizistik. Wir denken dabei an den unvergeßlichen Perez Smolenski, der vor einem halben Jahrhundert in der von ihm herausgegebenen epochemachenden Monatsschrift „Haschachar" (Der Morgenstern) kulturpolitische Abhandlungen veröffentlicht hat, die, in einem anderen Milieu geschrieben, ihm journalistischen Weltruf verschafft hätten. Wir denken an Achad-Haam (Ascher Ginzberg), den im vorigen Jahre verstorbenen, den jüdischen Publizisten par excellance, der sich durch etwa 40 Aufsätze als Frucht eines langen arbeitsreichen Lebens die Unsterblichkeit gesichert hat, an B i a 1 i k, der nicht nur ein großer Dichter, sondern auch ein Journalist größten Formats, an Frischmann, der ein Essayist ersten Ranges ist. Die jüdische Presse ist nicht, wie Außenstehende es vielleicht annehmen möchten, ausschließlich religiöser Natur. Sie ist innerhalb des Makrokosmos der Weltpresse ein Mikrokosmos, ein Aulom Koton, eine in sich vollständige kleine Welt. Nichts Menschliches ist ihr fremd: Sie hat alle Richtungen, alle Strömungen, alle Farben, alle Nuancen der großen Weltpresse. Sie ist religiös, national, politisch, soziologisch, kulturell, literarisch, ästhetisch — wie die Forderung des Tages es verlangt. Sie zeigt alle Ubergänge von unerbittlicher Orthodoxie bis zum skeptischen Atheismus, vom bürgerlichen Kapitalismus über Sozialismus, Kommunismus bis zum ausgesprochenen Bolschewismus, vom abgeschlossensten Nationalismus bis zum umfassendsten Weitbürgertum. Alles, was das Judentum unserer Zeit bewegt, hat in der jüdischen Presse Stimme und Sprache gefunden, und es bleibt nicht Druckerschwärze auf Holzpapier, es drängt zur Wirklichkeit, zur Tat, zum Leben. Und so ist denn die jüdische Abteilung der Pressa ein Spiegelbild des jüdischen Lebens unserer Zeit, das der Mitwelt mit gutem Gewissen gezeigt werden kann. 5. Simclowitz.