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Menorah · 1928-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1928) · p. Seite 336

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1928)
Article
Einige Bemerkungen über Presse und Judentum
Date
1928-06-01
Page
Seite 336 (sequence 3)
Language
German
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336 ME NORAH rieh Julius Stahl war? Und zu gleicher Zeit ließ Lassalle seine Gewitter grollen, in denen Rhetorik und Journalistik wundersam verschmolzen. Mit der allgemeinen Aufwärtsentwicklung der Presse setzt aber auch die Entstehung der spezifisch jüdischen Presse ein, die also vom jüdischen Standpunkte aus berichtet und urteilt, die nicht bloß jüdische Angelegenheiten in den Kreis ihrer Betrachtung zieht, deren Feld vielmehr die weite Welt ist. Man kann die Anfänge der jüdischen Presse bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen, ein stärkerer Antrieb aber macht sich erst geltend, als die Juden um die Wende des 18. Jahrhunderts sich der europäischen Kultur anzuschließen beginnen. Und hier, wie zu derselben Zeit auf dem Gebiete der Wissenschaft des Judentums, fällt den deutschen Juden eine führende Rolle zu. In dem Kreis der Jünger des großen Moses Mendelssohn entstand zuerst der Gedanke einer Zeitschrift in hebräischer Sprache, die den Namen „Hameassef" (Der Sammler) erhielt. 1785 erschien das erste Heft dieser Zeitschrift, deren Ziel die Verbreitung der Aufklärung unter den Juden und die Förderung des literarischen Geschmackes und Stiles der hebräischen Sprache war. Mehr als ein halbes Jahrhundert später beginnt dann die Zeitung zu erscheinen, mit der die moderne jüdische Presse einsetzt: die „Allgemeine Zeitung des Judentums", die 1837 von Ludwig Philipps o n begründet wurde. Diese Wochenschrift war, für die damaligen Verhältnisse, schon eine Zeitung großen Stils. Von einem hohen jüdischen Standpunkte aus wurden hier die großen politischen Vorgänge, die Fragen der jüdischen Gemeinschaft betrachtet, ein literarischer und wissenschaftlicher Teil sorgte für Unterhaltung und Belehrung, Korrespondenzen aus aller Welt gaben einen Überblick über das ganze Judentum. Sein bester Mitarbeiter aber war Philippson selbst; er war ein echter Journalist, wie er oben als idealer Typus geschildert ist, und wußte seine Leser wirklich zu führen. Fast zwei Menschenalter hindurch, solange Philippson selbst die Zeitung leitete, behauptete sie eine führende Stellung, war das Muster und Vorbild aller später entstehenden jüdischen Zeitungen und fand ihre Leser in der ganzen Welt, wo nur Juden wohnten, ganz besonders in der gebildeten Oberschicht der Ostjuden, bevor diese ihre eigene Presse entwickelt hatten. Zwanzig Jahre nach der ,,Allgemeinen Zeitung des Judentums" hat man auf dem Gebiete der jüdischen Presse ein weiteres folgenreiches Ereignis zu verzeichnen: 1857 beginnt in der kleinen ostpreußischen Grenzstadt Lyck eine Wochenschrift in hebräischer Sprache zu erscheinen, „H amaggi d" (Der Bote), dessen Herausgeber der

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