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Menorah · 1928-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1928) · p. Seite 335

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Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1928)
Article
Einige Bemerkungen über Presse und Judentum
Date
1928-06-01
Page
Seite 335 (sequence 2)
Language
German
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PRESSE UND JUDENTUM 335 Presse haben, braucht nicht näher ausgeführt zu werden. Aber nicht darum handelt es sich hier. Vielmehr wird hier die spezifisch jüdische Presse gezeigt, die Presse, die jüdische Interessen, jüdische Ideale verficht. Es ist kein Zufall, daß so viele Juden sich der Journalistik widmen; nicht wirtschaftliche und soziologische Momente allein sind hier wirksam, es handelt sich vielmehr um eine tiefinnere Veranlagung. Denn was macht den wahrhaften Journalisten? Daß er in dem aktuellen Tagesvorgang das Dauernde, ja das Ewige sieht, daß er das Einzelne im Zusammenhang mit dem Ganzen, mit allem Vorausgehenden und Folgenden erblickt. Diese Art, die Dinge anzuschauen, ist nicht allein intellektuell, sie ist vor allem eine moralische Fähigkeit, sie ist der Wille zur Verantwortung. Und auf das Moralische kommt es vor allem beim Journalisten an, aus dem Moralischen quillt ihm erst seine literarische, seine künstlerische Kraft. Dies der eigentliche ideale Journalist. Und solche Journalisten hat der jüdische Genius vor mehr denn zweiundeinhalb Jahrtausenden hervorgebracht, er zuerst in der ganzen Welt. Die jüdischeProphetieist Journalistik höchster und idealster Potenz. Herder, der für diese Dinge das feinste Gefühl besaß, hat einmal die Propheten „patriotische und göttliche Demagogen" genannt. Hätte er in unserer Zeit die Macht der Presse erlebt, er würde sie „göttliche Journalisten" genannt haben. Denn es ist Journalistik allerhöchster und unübertroffener Art, wenn sie die religiösen, die politischen, die sozialen, die wirtschaftlichen Zustände ihrer Tage zum Gegenstand ihrer ewigen Reden machen. Man darf sie nicht in eine Reihe stellen mit den Stadtpolitikern von Hellas, mit den Volkstribunen Roms, die doch nur ein Amt führen. Die Propheten aber haben eine Mission, die sie freiwillig übernommen haben, das heißt aus innerster Notwendigkeit, der Stimme Gottes, der aus ihrem Gewissen sprach, folgend, und das Gewissen macht den Journalisten! Und grandiose Journalistik ist es auch, was der Jude S a u 1 u s, der Apostel Paulus in seinen Episteln bietet. Es handelt sich nicht darum, diese Linie hier weiter zu verfolgen. Es kommt nur auf die Feststellung an, daß die Journalistik zu den Merkmalen des jüdischen Genius gehört. Und es ist ganz folgerecht, daß die Juden, sobald sie am europäischen Kulturleben teilnehmen konnten, mit ganzer Hingabe sich der Journalistik zuwandten. Unter den Begründern der modernen deutschen Journalistik stehen in allererster Reihe die beiden Juden Börne und Heine. Und ist es nicht wie ein ironischer Witz preußischer Geschichte, daß der Begründer der hochkonservativen ,,Preußischen Kreuzzeitung" der getaufte Jude Fried-

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