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Menorah · 1928-05-01 · Heft 5 (Mai 1928) · p. Seite 298

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 5 (Mai 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-05-01
Page
Seite 298 (sequence 8)
Language
German
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298 MENORAH engländer schon im Jahre 1915 verloren hat; und es wäre dumm und ungerecht, es Whitechapel übelzunehmen, daß es diese Begeisterung nicht aufbringt. Aber Tatsache ist, daß man es den Leuten in Whitechapel verargen und daß in den englischen Volksmassen ein Haß entstehen wird, wie man seinesgleichen noch nie gesehen hat. Und das muß vermieden werden. Konskription!" Er versicherte mir, daß er dem Minister in diesem Sinne antworten werde. — Das ist auch heute noch meine Meinung. Krieg und Militärdienst sind im allgemeinen abnormale Dinge. Ich zähle mich zu jenen Optimisten, die fest daran glauben, daß nach hundert Jahren, oder vielleicht noch früher, von beiden keine Spur übrig bleiben wird. Aber solange sie noch vorhanden sind, bedeutet das Freiwilligensystem die größte Ungerechtigkeit, die man sich vorstellen kann. Darunter leiden nur die besten Patrioten, die Gleichgültigen bleiben zu Hause, und das bedeutet eine Prämie für Gleichgültigkeit. Auch ist es nicht wahr, daß eine Freiwilligenarmee „heldenhafter" kämpft. Die französischen Soldaten vor Verdun waren alle kraft der Wehrpflicht Eingezogene. Garibaldi sagte: Schon am zweiten Tage des Dienstes gibt es nicht den mindesten Unterschied zwischen einem Freiwilligen und einem Wehrpflichtigen." Das ist richtig. Jeder Freiwillige bereut einmal seinen Schritt; dann aber sagt er sich: „Es ist zu spät, ich muß Soldat bleiben." Das heißt, er ist schon ein Wehrpflichtiger. Und jeder Wehrpflichtige vom Durchschnitt sagt sich: „Schlimm; aber wenn ich schon einmal Soldat zu sein gezwungen bin, will ich wenigstens ein ordentlicher Soldat sein." In diesem Augenblick wird er zum Freiwilligen. In unserem Bataillon hatten wir sowohl „Freiwillige" als auch „Wehrpflichtige". Sogar von den „englischen" meldeten sich einige hundert, noch bevor man sie einberufen hatte. Die palästinensischen Kontingente, die argentinischen, die türkischen Gefangenen — mehr als die Hälfte der ganzen Legion — mußten sich sogar mit der Regierung, besonders mit Allenbys Generalstab, in einen Konflikt einlassen, bis man sie aufnahm. Aber es gab im Dienst keine Unterschiede. Ich sagte das schon einmal: „Schneider", wie man die Wehrpflichtigen aus Whitechapel nannte, wurde bei uns zum Schluß ein Ehrentitel, ein Synonym für einen erstklassigen Soldaten, und die Boys aus Whitechapel haben sich ihn ehrlich verdient. Im Monat August 1917 erschienen nacheinander zwei offizielle Nachrichten: Dienstpflicht für russische Bürger in England und Schaf-

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