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Menorah · 1928-05-01 · Heft 5 (Mai 1928) · p. Seite 297

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 5 (Mai 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-05-01
Page
Seite 297 (sequence 7)
Language
German
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VOM NIL ZUM JORDAN 297 seine Meinung geändert und sagte zu den jüngeren Mitgliedern: „Leget Khaki an, damit ihr später Blau-Weiß tragen könnt." Einige hundert Freunde um Harry First erwarteten schon mit Ungeduld den ersten Meldungstag; andere plauderten in den Konvenlikeln „für" und ..gegen". Überdies erfuhr man noch, daß die Regierung mit Petersburg betreffs der Einführung einer Konskription für Ausländer Verhandlungen führe. Das beruhte auf Wahrheit. In Whilechapel munkelte man damals, da 13 die Legionisten das „erwirkt" hätten. Der Jude glaubt ungern an die Geschichte, an diese physiognomielose Macht, die sich selbst die Tatsachen schallt, ob wir wollen oder nicht wollen. Der Jude sucht sich immer nur einen einzelnen heraus, dem er ,,die Schuld" in die Schuhe schiebt. Die Konskription mußte kommen, hätten wir uns noch so bemüht, den Prozeß zu stören. Aber ich bekenne es offen, daß ich ihn gar nicht aufhalten wollte. Im Gegenteil. Einmal erhielt ich ein Telegramm von Nabokow: ,,Nehmen Sie Urlaub und kommen Sie hierher. Es ist dringend." In der Bolschaft auf dem Ghesham-Square zeigte er mir eine Depesche des russischen Außenministers Tereschtschenko: Der Minister will die Meinung des Botschafters, betreffs der. Konskription der russischen Bürger in England kennenlernen. Sie Avird von der englischen Regierung gefordert. Wie verhält sich die jüdische Gesellschaft dazu, wie die englische? Ich entgegnete: ,,Bei den Engländern, gleichviel ob sie Christen oder Juden sind, gibt es in diesem Punkte keine zwei verschiedenen Meinungen. Es gibt hier bloß eine einzige: Konskription. Bei den fremden Juden aber gibt es zwei Strömungen. Die eine ist die Meinung Whitechapels: nein. Die andere Meinung vertreten ich und meine Freunde: ja." „Warum?" „Erstens, weil ich als kontinentaler Mensch den englischen Grundsatz einer Freiwilligenarmee als einen der größten Irrtümer des englischen Systems betrachte, und im allgemeinen für Konskription bin. Solange es noch Kriege gibt, ist die Teilnahme an ihnen eine Pflicht, nicht ein Zeitvertreib für Amateure. Zweitens, im dritten Kriegsjahr würde es sogar einem Garibaldi schwer fallen, eine genügende Zahl von Opferwilligen zu linden. Der Enthusiasmus ist erloschen. Auch für seine eigenen Bürger mußte England die Wehrpflicht einführen. Es wäre dumm, zu erwarten, Whilechapel könnte plötzlich im Jahre 1917 von einer Kriegsbegeisterung ergriffen werden, die der Durchschnitts-

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