Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-05-01
- Page
- Seite 292 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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2!)2 MENORAH ich noch vor einem halben Jahre so tüchtig gewaschen habe. Leider ist mein Nachfolger im Scheuern nicht so gut bewandert. U ber die Interviews selbst finden sich in meinem Notizbuch nur kurze Bemerkungen, die ich oft selbst nicht entziffern kann. Ich war damals zu beschäftigt, als daß ich ein Tagebuch hätte führen können. Das Wichtigste war eine Einladung zu General Smuls, dem Premier von Südafrika, der damals nach London kam, um an der Sitzung des Kriegskabinetts teilzunehmen. Er spielte in jenen Jahren eine sehr wichtige Rolle, nicht so sehr der Hilfe wegen, die dieses kleine „Dominion" für die Kriegführung bieten konnte, sondern wegen seiner Persönlichkeit. Ebenso w7ie General Botha, war auch er noch vor zwanzig Jahren einer der stärksten Gegner Englands im Burenkrieg. Sein jetziger britischer Patriotismus hatte daher den moralischen Wert einer Manifestation zugunsten des britischen Reichsregimes. Überdies ist Smuts auch ein hochgebildeter Mann, der auf den Universitäten von Holland, Heidelberg, Cambridge studiert hat, ein freisinniger Denker und Schriftsteller. Er ist ein Zionist vom Schlage Balfours oder Robert Gecils, ist einer von denen, die der Meinung sind, daß Balfours Ziongelübde vielleicht das Beste darstellt, was von dem ganzen Krieg zurückgeblieben ist. Sein Besuch in England gab definitiv den Freunden des Zionismus das Übergewicht im KriegskabinetI, im Gegensatz zur Opposition, deren Haupt selbstverständlich ein Jude (Edwin Montague) war. Er sali damals wie ein Vierzigjähriger aus, obwohl er schon älter hätte sein müssen. Ein liebenswürdiger Intellektueller von kontinentalem Typus, spricht Englisch fast wie ein Engländer, bloß mit dem holländischen „R", das noch tiefer in der Kehle sitzt als das jüdische. Er erkundigte sich nach allen Einzelheiten des Legionsplanes. Ein Satz von ihm ist bei mir notiert: „Es ist der feinste Gedanke, den ich jemals in meinem Leben gehört habe, daß die Juden für das ,Land Israel' allein kämpfen sollen/' Zum Schlüsse fragte er viel über Rußland; man wußte damals schon, daß die Armee und die Staatsordnung in die Brüche gingen. An dieser Stelle sind in meinem Notizbuch zwei Redewendungen verzeichnet, bei denen nicht vermerkt ist, wer von uns sie gebraucht hatte. Aber wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, war er es, der sie angewendet hatte und deshalb zitiere ich sie, obwohl sie keinen Zusammenhang mit meiner Erzählung haben: