Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Article
- Die jüdische Landwirtschaft in Bessarabien
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 248 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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248 MENORAH Rumänien wird sich selber sanieren oder es wird saniert werden. Das Land selbst besitzt große natürliche Möglichkeiten für seine Entwicklung. Die neue jüdische Landwirtschaft wird eine ähnliche Entwicklung durchmachen müssen, wie sie schon der jüdische Tabak- und Weinbau durchgemacht haben. Die Juden haben sich einst dem Tabak- sowie auch dem Weinbau nur als Unternehmer und nicht als Arbeiter gewidmet. Die Juden haben sich aber überzeugen müssen, daß beide Landwirtschaftszweige nur dann eine feste Grundlage haben können, wenn der Unternehmer nicht nur mit seinem Kopfe, sondern auch mit seiner arbeitenden Hand in die Sache eingreift. Das steht noch mit einem anderen Umstände in Verbindung. Die beiden Landwirtschaftszweige konnten von den Juden nur dann mit Erfolg betrieben werden, wenn die Juden in ihnen eine höhere Stufe als die Bauern erreichen können. Nur dann lohnt es sich dem Juden, der größere Bedürfnisse als der Bauer hat, sich damit zu beschäftigen. Der Jude muß bessere Sorten Tabak kultivieren und bessere Weine als der Bauer erzeugen. Der Jude muß seine Plantage und seinen Weingarten besser als der Bauer bewirtschaften, denn er muß seine Ernte gesichert haben. Darum kann sich der Jude auf die Lohnarbeit der Bauern nicht verlassen. Er benötigt qualifizierte Arbeit und diese muß er selber leisten. Der jüdische Ackerbau muß diese Entwicklung durchmachen und er macht sie auch schon durch. Der größte Teil der Juden beschäftigt sich anfänglich mit der Landwirtschaft als kleine Unternehmer. Sie sehen aber bald ein, daß auf sechs Hektar Land keine Unternehmung aufzubauen ist. Und dann überzeugen sich die Juden, daß es unmöglich ist, den Acker rechtzeitig und gut zu bestellen, wenn man zur Erfüllung jeder Arbeit erst den Bauer mit seinem Pferde suchen muß. Man muß ein eigenes Pferd haben, soll sich das Geschäft lohnen, muß die eigene Hand anlegen. Und darum sieht man jetzt schon auf den Feldern Bessarabiens, wie die jüdischen Landwirte, ihre Frauen und Kinder allerlei Arbeit erfüllen — sie pflügen, säen, hacken die Maissaaten, sammeln Getreide. Die Juden fühlen, daß, wenn sie sich einmal von der Landwirtschaft ernähren wollen, sie die Wirtschaft auf eine andere Weise, wie es die Bauern tun, führen müssen, weil sie größere Bedürfnisse als die Bauern haben. Sie müssen die Felder besser bebauen, um höhere und sichere Ernten zu erhalten. Man muß Kulturen wählen, die einträglicher sind. Man muß Futtergräser säen, man muß sich mit der Milchwirtschaft, die in Bessarabien wenig entwickelt ist, mehr be-