Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Article
- Die jüdische Landwirtschaft in Bessarabien
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 246 (sequence 5)
- Language
- German
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246 MENORAH jüdischen Landwirtschaft gegeben. Einen bedeutenden Teil der Pferde und Kühe, die die Landwirte schon besaßen, mußten sie verkaufen, da es für sie im Winter 1925/26 an Futter fehlte. Die Jahre 1926 und 1927 sind auch nicht besonders glücklich ausgefallen. Die Ernten waren eigentlich nicht schlecht. Aber die Preise sind infolge schon oben angedeuteter Ursachen so stark gefallen, daß die Feldwirtschaft keine Gewinne abgeworfen hat. Die Preise entsprechen nicht denen des Außenmarktes; selbst in Transsylvanien stehen sie gewöhnlich doppelt so hoch. Das ist die Wirkung der allgemeinen wirtschaftlichen Unordnung, in der sich Bessarabien befindet. Was den jüdischen Tabakbau anbelangt, so wurde er durch die falsche Politik der Regierung beinahe zerstört. Rumänien hat ein Tabakmonopol; dabei hat man in Bessarabien die Preise so herabgedrückt, daß die Juden und die Bauern den Tabakbau aufgegeben haben. Für die jüdische landwirtschaftliche Bevölkerung bedeutete das einen harten Schlag. Der jüdische Tabak ist aber von bester Qualität und die Regierung mußte deshalb den Niedergang des jüdischen Tabakbaues stark bereuen. Im Winter 1925/26 hat die Regierung den Juden große Vorschüsse unter der Verpflichtung gewährt, daß sie im Frühling Tabak pflanzen. Die Bevölkerung litt an Hunger und hat diese Verpflichtung auf sich genommen. Dank diesem Vorschußsystem ist der jüdische Tabakbau wieder hergestellt worden. Dadurch kommen aber die Tabakbauer in größte Abhängigkeit von der Regierung. Zwar sind die Preise schon im voraus bestimmt, es hängt aber von dem Beamten ab, zu welcher Sorte, ob zur ersten, zweiten oder dritten, der Tabak zugerechnet wind. Wenn der Beamte 50, mindestens 30 Prozent des Tabaks zur ersten Sorte zurechnet, dann lohnt sich der Tabakbau für den Juden; ist der Prozentsatz der ersten Sorte niedriger, lohnt er sich schon nicht mehr. Und der Tabak erfordert sehr viel Arbeit. Es ertönen Klagen, daß die jüdischen Frauen und Kinder durch die Arbeit zu stark angestrengt werden. Es ist zu hoffen, daß die Beamten die Tabakbauer nicht zu stark bedrücken werden, sonst wird die Monopolverwaltung wieder ohne Tabak bleiben. Selbstverständlich trauern die Juden darüber, daß die schönen Zeiten vorbei sind, als noch kein Monopol bestand, als es in jeder Kleinstadt eine Niederlage einer russischen Tabakfabrik gab, und als man sich den Käufer selber wählen konnte. Am besten steht es gegenwärtig mit dem jüdischen Weinbau. Die Weingärten bringen ziemlich gleichmäßige Ernten ein. Selbst in dem äußerst trockenen Jahre 1925 war die Weinernte nur etwas knapper. Es hängt sehr viel davon ab, wie der Weingarten gepflegt wird. In dem