Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 235 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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VOM NIL ZUM JORDAN 235 (Soldaten ist es verboten, über Kriegsangelegenheiten zu schreiben): am letzten Tage vor meiner Meldung im Rekrutierungs-Office übergab ich ein englisches Manuskript zum Druck, ein Buch mit dem Titel „Die Türkei und der Krieg", dessen drei Hauptgedanken in folgendem bestanden: Erstens: der Krieg wird eine vergebliche Sache sein, wenn die Türkei nicht aufgeteilt werden wird; zweitens: Palästina muß unter englische Herrschaft gelangen; drittens: die Ostfront ist die Hauptfronl. Von der Druckerei begab ich mich ins Rekrutierungs-Office, legte den Eid ab und erhielt ,,des Königs Schilling" — zwei Schilling und sechs Pence als Löhnung für den ersten Tag. Ich erwähnte den Namen Steed. Er hat es bei uns Juden verdient, da 13 man sich ausführlicher mit ihm befasse. Er spielte eine wichtige Rolle nicht nur in der Geschichte der Legion, sondern auch bei der Ralfour-Deklaration. Einen Monat vor dem 2. November, zur Zeit, als die Assimilanten -— mit Lord Swaythling an der Spitze — die letzte Anstrengung unternommen haben, die Regierung vor einem prozionistischen Schritt zu warnen, antwortete ihnen Steed in einem niederschmetternden Leitartikel, und das versetzte ihnen den Todesstoß. ,,Die ,Times' hatten gesprochen." Als junger Mann, etwa dreißig Jahre vorher, war Steed Korrespondent derselben ,,Times" in Wien; dort lernte er Herzl kennen und wurde mit ihm befreundet. Er verstand sowohl Herzl als auch den Zionismus wie nur wenige Christen uns verstehen können, begrilY die innere, „achadhaamistische" Seite, die Abkehr von der Assimilation ebenso scharf und tief wie lierzls Durst nach politischer Selbstwertung. Natürlich hatten ihn viele Juden, wie jeden Christen, der ,,zionistisch4" spricht, des „Antisemitismus" verdächtigt. Ich habe diese Tendenz bei ineinen Volksgenossen — einen Haman in jedem Christen zu wittern, der sich eine „jüdische" Anekdote nachzuerzählen erlaubt (und diese Anekdote ist oft ein feines Kompliment im Vergleich zu dem, was wir uns selbst zu erzählen erlauben) — nie verstanden. Steed spricht über die Juden gerade so wie ein Zionist sprechen würde: er glaubt an die Kraft des jüdischen Volkes (in seinem Buche: „Die Habsburgmonarchie" beginnt das Kapitel über die Nationalitäten Österreichs mit der Phrase: „Die wichtigste unter ihnen ist die jüdische Nation"), er spricht mit rührendem, verehrungsvollem Ernst über Herzls Ideale. Und er hat seine Freundschaft in dem größten Momente unserer neuen Geschichte mit wichtigen Diensten bekundet.