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Menorah · 1928-04-01 · Heft 4 (April 1928) · p. Seite 236

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 4 (April 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-04-01
Page
Seite 236 (sequence 10)
Language
German
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236 MENORAH ]VIeine Kaserneneindrücke zu beschreiben, wäre uninteressant. Es genügt die Feststellung, daß ich wie jeder Gemeine gedient habe, aber nicht so jung und nicht so schlank war wie die andern. In den ersten Tagen, als mir die Hände noch von der Typhusimpfung weh taten, kehrte ich die Barackenräume, scheuerte die Tische im Speisezimmer der Sergeanten. („Sehr gut gescheuert", sagte mir ein jüdischer Sergeant. „Wenn Sie wollen, werde ich dem Colonel vorschlagen, daß man Sie überhaupt nur dazu bestimme, Tische in unserem Speisezimmer zu scheuern.") Bald darauf wurde ich in die ,,N. C. O.-Klasse" versetzt, in das Kommando, wo die Unteroffiziere herangebildet werden: beileibe nicht meiner Fähigkeiten wegen, sondern durch die Gnade des Colonels. Interessant jedoch waren meine Kameraden in der jüdischen Kompagnie. In den ersten Kapiteln schilderte ich das Lager in Gabari: hier war die Masse eine viel kleinere, aber nicht minder bunte. Die meisten Leute waren natürlich aus Rußland, und unter ihnen gab es drei oder vier „Gerim"-Proselyten, mit blondem Haar und blauen Augen und einer guten hebräischen Aussprache. Einer von ihnen kam kurz vor Kriegsausbruch aus Astrachan zu Fuß über Mesopotamien nach Jerusalem; an jedem Sabbatausgang pflegte er sich wie ein richtiger Wolga-Muschik zu betrinken — und dann lag er in einem Winkel und las die Psalmen in einem alten hebräischen Gebetbuch. Es gab da sieben grusinische Juden mit langen Namen, die immer auf schwili endeten: es war eine Freude zu hören, wie englische Sergeanten bei einem Morgenrapport ausriefen: ,,PaniKomoschiaschwili?" — „Hier!" Sie waren schlank, schön und stark — die Stärksten des Bataillons: ruhig und bescheiden, voll Respekt gegen sich selbst, gegen Nachbarn und ältere Menschen. Einer von ihnen wollte mir den Besen aus der Hand nehmen, als ich dazu bestimmt wurde, die Stube zu fegen. Und ein anderer wieder, Sepiaschwili, war dann der erste Soldat der Legion, der für Tapferkeit vor dem Feinde mit einer Medaille ausgezeichnet wurde. — Es gab auch geborene Ägypter, mit denen ich mich nur italienisch oder französisch verständigen konnte. Zwei Juden aus Dagestan und einer aus der Krim pflegten ihre Geheimnisse in tatarischer Sprache auszutauschen. Und mit einem — er war gar ein griechischer Christ, und ich weiß bis heute nicht, wie er in unsere Mitte kam — konnte ich mich überhaupt nicht verständigen. Ich kann mich recht und schlecht in sieben Sprachen verständigen, er sprach wohl drei — aber andere.

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