Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 233 (sequence 7)
- Language
- German
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VOM NIL ZUM JORDAN 233 ernsteren Elementen, sowohl den jungen als auch alten, war es bereits klar, daß man einen positiven Ausweg suchen müsse, daß man ganz ohne jedes Opfer nicht mehr loskommen würde. Aber wie sollten sie es glauben, daß unser Ausweg möglich war? Von offizieller zionistischer Seite — ich bedaure, aber ich muß es sagen — wurde ihnen während der ganzen Zeit unserer Aktion zugeflüstert, daß wir sowohl uns selbst als auch sie betrügen, daß ,,die Regierung nie und nimmer eine Legion zulassen würde", endlich, daß die ganze Sache — wie ich Samuel gewarnt hatte — bloß eine List wäre. Eine offizielle Bestätigung unseres Planes lag nicht vor. Auf Grund solcher Zweifel und Verdächtigungen war es für eine Gruppe von Jew-Sektionislen (der Name ist ein Anachronismus, aber der Geist war derselbe wie in der heutigen Moskauer Jew-Sekzya) ein leichtes, eine Terrorstimmung zu schaffen, jeden jungen Mann, der sich mit unseren Plänen befaßte, einzuschüchtern, er sei ein Verräter, er verschleppe seine Brüder nicht nach Palästina, sondern nach Flandern. Und diese Bande war, wie gesagt, gut organisiert: die Hand, die selbst im Verborgenen blieb, jedoch die ganze Zeit hindurch die Fäden zog, war Mr. Tschitscherin. Nach vier Wochen beschlossen wir die Aktion zu liquidieren und die Zeitung einzustellen. Großmann fuhr nach Kopenhagen zurück und ich selbst gab mir den heiligen Eid: Das nächstemal (denn es wird ein nächslesmal noch geben) werdet ihr, meine Geehrten, nicht mehr Lärm schlagen können, und Mr. Tschitscherin wird etwas abseits still und ruhig sitzen. vXerade einen Monat nach dieser letzten Niederlage wurde die erste offizielle Grundlage für die jüdische Legion geschaffen. Hundertzwanzig ehemalige Soldaten des Zion-Mule-Korps schlössen sich neuerlich der Armee in Alexandrien an. Man brachte sie von dort nach London. Mr. Amery erwirkte, daß man alle in ein Bataillon einreihe und aus ihnen eine besondere Kompagnie bilde. „Da haben Sie Ihre ,Keimzelle','' sagte er mir, „wenn Sie diese Tatsache richtig auszuwerten verstehen werden, dann können Sie Ihres Erfolges gewiß sein. Die Stimmung für eine jüdische Legion ist bereits vorhanden, sowohl bei der Regierung als auch innerhall) der englischen Gesellschaft. Jetzt hängt alles von dieser »Keimzelle4 ab. Mit dieser kleinen Kompagnie zionistischer Soldaten steht und fällt nun Ihr ganzer Plan." Er hatte recht. Ich wußte bereits selbst, daß die „Stimmung" ge-