Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 232 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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232 MENORAH Sache nur eine List sei, daß man einfach Freiwillige einfangen wolle, um sie dann in englische Bataillone einzuteilen und nach Flandern zu verschicken. Und das wird meine ganze Arbeit stören." „Ich kann eine solche Erklärung nicht abgeben." sagte er, „es hängt nicht von mir ab. Es muß doch vom ganzen Kabinett beschlossen werden. Und Sie wissen selbst, daß viele jüdische Kreise —■ besonders die Zionisten — sehr scharf gegen eine jüdische Legion auftreten." „Ebenso scharf treten meine Freunde und ich dagegen auf, daß Whitechapel in fremden Formationen für einen fremden Zweck kämpfen soll. Die Verpflichtung, die wir ihnen zur Unterschrift vorlegen, ist ganz deutlich: Nur ,Landes- und Heimatverteidigung'. Aber ohne die offizielle Erklärung Ihrerseits kann ich für einen Erfolg nicht garantieren." „Kann ich Ihnen nicht auf irgend eine andere Art und Weise behilflich sein?" Ich bedankte mich: „Nein." Und ich bekenne heule ganz ollen, daß ich jene meine Antwort bereue. Eine Form von Hilfe hatte ich von der Regierung fordern sollen: uns bei unseren öffentlichen Versammlungen die Ruhe zu garantieren. Unsere Aktion dauerte einen Monat: eine Niederlage. Dreihundert Unterschriften hatten wir im ganzen gesammelt — und das Leben Whitechapels glich in jenen Tagen einem nicht enden wollenden Skandal. Das erste Meeting verlief in Ruhe: die Gegner hatten Verdacht, daß irgendwo Polizei sich versteckt halte, wie bei den nichtjüdischen Rekrutenanwerbungen. Aber beim zweiten Male hatten sie schon unseren Edelmut entdeckt — und Pfeifen mitgebracht. Es war eine kleine — vielleicht dreißig Leute im ganzen •— aber gut organisierte Bande. Immer dieselben dreißig Gesichter — in Whitechapel. Soho, Slamford- Hill, Notting-Hill; und dreißig Schreier sind bekanntlich eine große Macht, wenn es darum geht, eine Versammlung unmöglich zu machen, und speziell wenn die andere Partei einerseits aus prinzipiellen Grün den die Polizei nicht herbeirufen will und anderseits sich nicht den Luxus leisten darf, dreißig Genicke zu brechen, da man sich doch feiner Formen bedienen muß. Wir blieben lange hartnäckig — aber die Stimmung war bereits in der ersten Woche gegeben: eine Niederlage. Ich bin kein Verehrer des „Whitechapeltums", aber die Gerechtigkeit erfordert es, festzustellen, daß Whitechapel an dieser Schande keine Schuld hatte. Whitechapel wollte uns ehrlich anhören: allen