Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 4 (April 1928)
- Article
- Die Kunst als Jude zu leben
- Date
- 1928-04-01
- Page
- Seite 213 (sequence 2)
- Language
- German
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DIE KUNST, ALS JUDE ZU LEBEN 213 schaffen hatte, ein Kulturschandmal, bestimmt, die Juden zu ächten, war der Urheber des Kreuzzuges gegen die Albigenser, die tatsächlich ausgerottet wurden. Als die Mauren aus Spanien und Sizilien abgedrängt wurden, ihre Reiche verfielen und die Moslem in die Minderheit kamen, wurden in drei Konzilbeschlüssen (1178, 1239, 1329) Verordnungen gegen sie und gegen die Juden erlassen. Beiden Minderheiten waren christliche Ammen oder Dienstboten untersagt und beide mußten sich äußerlich in ihrer Tracht von den Christen unterscheiden, denen es verboten war, jüdischen oder mohammedanischen Festen oder Festmahlen beizuwohnen. Als im Jahre 1391 in Spanien blutige Judenverfolgungen ausbrachen, wurden auch 10.000 Mohammedaner zwangsweise getauft. Die Inquisition verbrannte bei demselben Autodafe Juden, Moslem, Ketzer und katholische Frauen als sogenannte Hexen. Die Hetze gegen andere Minderheiten verlief nur dann milder, wenn sie Völkern oder Glaubensgenossenschaften angehörten, deren Rache man fürchten mußte, weil in ihrer Mitte Mehrheitsmitglieder lebten. Die Juden als zusammenhanglose, vom Boden losgelöste ewige Minderheiten durften rücksichtsloser behandelt werden, und es ist wie ein Wunder, daß es nicht häufiger geschah. In der Türkei waren Christen und Juden Raja, das heißt Bürger letzter Ordnung. Im Orient wurden die Christen vielfach als Hunde von Hunden stammend beschimpft, während die Juden unbehelligt blieben. Nur ausnahmsweise ist es vorgekommen, daß Juden verfolgt wurden. Christenmetzeleien wiederholten sich leider immer wieder. Sollen wir das Schicksal der Hugenotten anführen, deren feinste Blüte in der Bartholomäusnacht hingemordet wurde und die ihre Heimat verlassen mußten ebenso wie die Protestanten in Salzburg und in Tirol? Wir müssen keine Zeugen in der Vergangenheit suchen. Auch unsere Zeit bietet genügend Beispiele für die geringschätzige Behandlung der Minderheiten. Die Deutschen in Amerika, die mit ihren Nachkommen etwa zehn Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, galten trotz Reichtum und politischer Stellung einzelner als durchaus minderwertig, als Biertrinker, Sauerkraut- und Wurstesser, als plump und derb. In Anlehnung an die früheren Einwanderer, die Holländer, und als Homonym zu „deutsch" wurden sie „dutch" genannt, die Bezeichnung für alles, was unelegant, unmodisch, bäuerlich war. Während des Weltkrieges, als die Deutschen „Hunnen" geschimpft wurden, verschlechterte sich ihre Stellung in bedrohlicher Weise. Es geschah, daß Deutsche geteert und