Mannheim
Compact Memory

Menorah · 1928-04-01 · Heft 4 (April 1928) · p. Seite 214

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 4 (April 1928)
Article
Die Kunst als Jude zu leben
Date
1928-04-01
Page
Seite 214 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2912821-2912879-2912884-2921835--06446-2921917
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

214 MENORAH gefedert wurden, ein evangelischer Pastor wurde mit einem Strick um den Hals durch die Stadt geschleift und nur das jammervolle Flehen seiner Frau hinderte Schlimmeres. Chinesen und Japaner, deren Konkurrenz man fürchtet, werden mit allen nur erfindbaren Lastern behaftet, um ihren Ausschluß von der Einwanderung zu rechtfertigen. Und das alles nur als eine Folge ihrer nüchternen Arbeitsamkeit, deren Wettbewerb man abwehren will. Die Chinesen, die das Wäschereigewerbe fast monopolisiert hatten, wurden nach und nach vollständig verdrängt, vielfach mit gewaltsamen Mitteln. In einigen Städten wurden sie nachts überfallen und vor ihren Türen aufgehängt. Nicht viel besser erging es den christlichen Missionären in China, die wiederholt überfallen und hingemordet wurden, mehrfach unter der Beschuldigung, daß sie zu Ostern Chinesenkinder abschlachteten. Im 17. Jahrhundert wurden die Katholiken in Norddeutschland mehr gehaßt als die Juden, und ähnlich war die Stimmung im 17. und 18. Jahrhundert in England. Milton, der große Dichter, der Autor des „Lost paradise", schrieb 1623 ein Werk „On true religion, heresy, schism, toleration"! Darin sagte er unter anderem: „Die protestantischen Sekten, welcher Art immer, könnten toleriert werden, nicht so der Katholizismus, weil sein Gottesdienst abgöttisch ist und das Alte Testament die Duldung der Abgötterei verbietet." In den Vereinigten Staaten wäre es bis zum heutigen Tage gänzlich ausgeschlossen, daß ein Katholik die Würde des Präsidenten erreichte. In den Jahren nach dem Kriege, der den Chauvinismus in aller Welt neu angeregt hat, entwickelte sich in den Südstaaten von Nordamerika ein organisierter Katholikenhaß. Die Hetze begann mit Antisemitismus. Die Drahtzieher dieser Bewegung fanden jedoch, daß es in diesen Staaten zu wenig Juden gebe, um die Bewegung politisch ausnützen zu können; sie wendeten sich daher gegen die Katholiken. So entstand der Geheimorden Ku-Klux-Klan, der sich gegen Neger, Katholiken und Juden wendet, drei Minderheiten, von denen die Neger ihre Unterdrückung am widerspruchlosesten tragen. Die religiöse Zeitschrift „The Christian Century" schreibt, daß „ein bescheidener ehemaliger jüdischer Kaufmann", gemeint ist der bekannte Philanthrop Julius Rosenwald in Chikago einen Fonds gründete, um von Negern errichtete Schulen reichlich zu unterstützen. Wird dieses christliche Lob, diese wunderbar generöse Handlung, die Hilfe einer Minderheit für die andere den Stammesgenossen Rosenwralds zu einer besseren Stellung in den Vereinigten Staaten helfen?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.