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Menorah · 1928-04-01 · Heft 4 (April 1928) · p. 212

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 4 (April 1928)
Article
Die Kunst als Jude zu leben
Date
1928-04-01
Page
212 (sequence 1)
Language
German
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DIE KUNST ALS JUDE ZU LEBEN Unter diesem Titel wird bei M. W. Kaufmann, Leipzig, demnächst ein Buch von York-Steiner erscheinen, das den neugeprägten Grundsatz „Minderheit verpflichtet'* als Richtlinie für das Zusammenleben mit der Mehrheit propagiert. In 20 Kapiteln weiden jüdische und christliche Religion historisch und soziologisch erläutert, Bibel und Neues Testament, Jesus und Paulus, der Talmud vorurteilsfrei erklärt und die Rassenf rage wissenschaftlich erläutert, ebenso Antisemitismus, Zionismus, Handelstätigkeit, Politik, Kultur sowie Familienleben der Juden besprochen und in einem Schlußkapitel „Unser Weg" die Konsequenzen gezogen. Wir veröffentlichen einen Auszug aus dem Kapitel .»Minderheit*'. lle Größe, alle menschliche Herrlichkeit ist Gabe der wenigen, jfjL Verfolgung ihr Lohn, bis daß die Minderheit zur Mehrheit und zur Verfolgerin wird. In der ewigen Minderheitstragik der Juden liegt der Trost, daß sie nie verfolgende Mehrheit wurde. Der Haß der Mehrheit entsteht aus dem Bestreben, durch Erniedrigung des Gegners sich selbst zu erhöhen und das Unrecht gegen den Schwachen durch seine künstlich erzeugte Minderwertigkeit zu entschuldigen. Die Juden wurden nicht mehr, nicht gehässiger verfolgt als andere Minderheiten. Nur daß ihre überlange Lebensdauer dieses Ausharren inmitten wechselnder Mehrheiten die Summe der Leiden zu übermenschlicher Höhe türmt. Es wäre falsch, diese Minderheitsqualen als bloße Religionsverfolgungen anzusehen, wie das vielfach geschieht. Wir wissen, daß nach Ablauf der religiösen Massenempfindung der Judenhaß aus anderen Quellen, so zum Beispiel aus wissenschaftlich verbrämten Rassentheorien, genährt wurde. Wo immer neben den Juden andere religiöse Minderheiten lebten, wurden diese vielfach härter behandelt als die Kinder Israels. Die Anhänger des mosaischen Gesetzes wurden im alten Rom von Nero bis Diokletian viel seltener blutig verfolgt als die Christen, die immer wieder den wilden Tieren in der Arena zum Fräße dienten und von denen manche gefesselt und mit Teer bestrichen als lebende Fackeln dem Volke zum furchtbaren Schauspiele dienten. Das Christentum aller Formen kehrte sich gegen die Juden, aber gleichzeitig gegen alle anderen Häretiker. Theodosius bekämpfte Juden und Manichäer. Die spanischen Klerikalen, als das Westgotenland katholisch wurde, predigten Haß gegen die Arianer wie gegen die Juden. Das Papsttum hat vom 11. bis zum 13. Jahrhundert die Juden verfolgt und erniedrigt, aber die christlichen Ketzer noch fürchterlicher gestraft. Papst Innozenz III., welcher die „constitutio judeorum" ge- Von Heinrich York-Steiner MINDERHEIT VERPFLICHTET

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