Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Article
- Die jüdische Landwirtschaft in Bessarabien
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 184 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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184 MENORAH Rumäniens noch nicht ausgebaut. Zum Beispiel: zu Rumänien gehört gegenwärtig auch die ehemalig ungarische Provinz Transsilvanien (Siebenbürgen), die eine gut entwickelte Industrie und viele größere Städte besitzt. Dieses Land könnte vielleicht zu einem Absatzgebiet für Bessarabien werden. Aber über die östlichen Karpathen führt bis zum heutigen Tage immer noch keine. Eisenbahn. Um von Bessarabien nach Transsilvanien zu kommen, muß man einen äußerst langen Weg durch ganz Rumänien zurücklegen. Um das Getreide aus Bessarabien zu exportieren, muß man es jetzt zuerst den Donauhäl'en Reni oder Galatz, die weit im Süden Bessarabiens liegen, zuführen. Von den minieren und nördlichen Gegenden Bessarabiens ist es ein sehr weiter Weg, da sich das Land sehr weit in der Nordsüdrichtung ausdehnt. Dabei muß man mit den Bahnen große Umwege machen; denn sie richten sich immer nach der Ostgrenze des Landes. Die Finanzlage Rumäniens ist schlecht. Altrumänien hat stark unter dem Kriege gelitten und die Regierung versteht es nicht, das Land aus der schwierigen Lage zu bringen. Sie will sich nicht mit dem ausländischen Kapital richtig verständigen. Nimmt es einen Anteil an der rumänischen Industrie (zum Beispiel an der Naphthaindustrie), so strebt die Regierung mit groben Mitteln die Industrie zu rumänisieren oder sogar zu nationalisieren. Darum meidet das ausländische Kapital Rumänien. Rumänien gelingt es nicht, eine Anleihe im Auslande zu erhalten. Die Eisenbahnen gehören der Regierung und sind aus Mangel an Mitteln sehr schlecht mit Lokomotiven, mit Wagen, mit Reparaturwerkstätten und Gebäuden ausgestattet. Sie arbeiten sehr unregelmäßig. Auch die Landwege befinden sich in Bessarabien in einem sehr kläglichen Zustand. Die Handelspolitik Rumäniens ist vollkommen unzweckmäßig. Der Protektionismus ist bis zum Äußersten gesteigert. Obgleich Rumänien zum Beispiel nur schlechte eigene Kohle besitzt, wird die ausländische Kohle mit einem sehr hohen Zoll belastet. So ist man in einen Zollkrieg mit Polen geraten, das ein guter Absatzmarkt für Rumänien sein könnte. Dann ist Rumänien vielleicht das einzige Agrarland in der Welt, das sich zum Ziel stellte, die Ausfuhr seiner landwirtschaftlichen Erzeugnisse zu hemmen. Es ist verboten, Vieh, Milcherzeugnisse, Wolle, Hanf und verschiedene andere Produkte auszuführen. Die Getreideausfuhr ist mit großen Exportzöllen belastet. Das wird alles getan, um die Kaufkraft des rumänischen Lei im Lande einzuhalten; das Ergebnis ist aber, daß man die Entwicklung der eigenen Landwirtschaft unterdrückt. Dabei wTerden die Grundsätze der Handelspolitik äußerst oft