Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Article
- Vom Nil zum Jordan
- Date
- 1928-03-01
- Page
- Seite 174 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2912821-2912879-2912883-2921686--06368-2921780- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
174 MENORAH länders kommen werde. Aber schlafen ist süß und einen ungebetenen Wecker haßt man. Das bildete das Hauptreservoir des Menschenmaterials, mit dem ich, fast ganz allein, zusammenkam, mit einem zionistischen Bann über meinem Haupte. Und Kitchener sagt, man brauche keine Offensive in Palästina und von „Fancy-Bataillonen" will er nichts wissen. Ich bin kein Blinder, ich sah das alles, überlegte und machte meine Rechnung. Hier das Resultat, zu dem ich gekommen bin: Lord Kitchener ist im Irrtum: England wird einen Krieg in Palästina führen müssen. Lord Kitchener begeht noch einen zweiten Irrtum: eine jüdische Legion ist keine ,,Fancy"-Angelegenheit. Sie ist eine Notwendigkeit für England. Die Regierung wird sie schaffen müssen, da die öffentliche Meinung sie dazu zwingen wird, Whitechapel zu mobilisieren; und eine jüdische Legion für Palästina ist die einzige Form, in der man Whitechapel mobilisieren kann, will man einen Weltskandal vermeiden. Die Zionisten sind im Unrecht: die Legion ist für sie eine Notwendigkeit — und es wird noch eine Zeit kommen, wo sie in den Gassen Whitechapels stehen und der vorbeimarschierenden Legion Hedad zurufen werden. Auch Whitechapel befindet sich im Irrtum: man wird ihm ,,an den Kragen" gehen und sehr bald. Die Legion ist sein einziger Ausweg. Seine jungen Leute werden zum Militärdienst einrücken müssen und werden noch dankbar sein, daß sie sich wenigstens für eine jüdische Sache schlagen. „Alle sind im Irrtum, nur du allein hast recht?" Es ist das jener bekannte Spott, mit dem man jedem Starrkopf begegnet, und gewöhnlich fürchtet sogar der verbissenste Starrkopf diese Art von Spöttelei und beginnt sich zu entschuldigen, er sei beileibe nicht eingebildet, er achte die Meinung der Majorität und sei zu Kompromissen geneigt.. . Und ich muß hier meinem jungen Leser eine kleine Moralpredigt halten: mein Freund oder mein Gegner, wer du auch seiest — habe keine Angst. Jeder Mensch, der in seinem Leben etwas erkämpft hat, stand einst allein gegen eine überwiegende Majorität mit ihren Neunmalweisen und Massen. Weh ihm und weh seinem Volke, wenn er in jenem Momente in sich nicht den Glauben hat, hinauszurufen: Es gibt nur eine Wahrheit — und diese ist in mir, und Ihr seid im Irrtum, alle durchwegs, und siegen werde ich.