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Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 171

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-03-01
Page
Seite 171 (sequence 7)
Language
German
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VOM NIL ZUM JORDAN 171 In der richtigen Judengasse, in Whitechapel, fand ich damals bloß einen Anhänger: Uscher Beilin, einen guten Schriftsteller, aber einen Mann ohne Einfluß. Ein Kapitel für sich war Dr. Weizmann. Noch in Paris hatte er sich als Anhänger der Legion erklärt. In London kamen wir einander noch näher. Wir wohnten sogar drei Monate zusammen in einer kleinen Wohnung, irgendwo in einem Seitengäßchen von Ghelsea, wo er die Versuche zu seiner bekannten Entdeckung fortsetzte, die später bei der Verbilligung der Munitionsproduktion eine so große Rolle gespielt und ihn mit dem damaligen Munitionsmiiiistcr Lloyd George in Verbindung gebracht hat. Und obwohl er acht, zehn und zwölf Stunden täglich im Laboratorium arbeitete;, fand er noch Zeit, in seiner politischen Tätigkeit Fortschritte zu machen, neue Verbindungen anzubahnen und neue, mächtige Helfer zu bekehren. In jenen Monaten wurden wir Freunde; und ich hoffe, daß wir das beständig bleiben werden, trotzdem uns der politische Kampf weit auseinandergetrieben hat und uns wahrscheinlich niemals zusammenbringen wird. Er war von Anfang an Anhänger der Legion, aber ganz ehrlich bekannte er mir, daß er seine eigene politische Tätigkeit nicht komplizieren und erschweren wolle durch eine offene, prinzipielle Unterstützung eines Planes, der vom Zionistischen Aktionskomitee in Acht und Bann gelegt wurde, von der offiziellen Ledtungsvertretung in London bekämpft wird und bei der zionistischen Masse sehr unpopulär ist. „Ich kann nicht, wie Sie, in einer Umgebung arbeiten, wo jeder über mich böse ist und jeder mich haßt", sagte er mir einmal mit einer charakteristischen Phrase, die in meinem Notizbuch verzeichnet ist. ,,Eine tägliche unfreundliche Reibung verbittert mir das Leben und raubt mir die ganze Arbeitslust. Lassen Sie mich meine Arbeit führen, wie ich es gewöhnt bin. Es wird eine Zeit kommen, wo ich Ihnen vielleicht helfen werde." Es kam eine solche Zeit, er half, und das werde ich ihm nie vergessen. Aber damals, im Herbst 1915, und noch lange hernach hatte seine Sympathie zum Legionsgedanken den allgemeinen Ton — die Gegnerschaft von allen Seiten — nicht zu ändern vermocht. Drittens: Die jüdische Jugend. Whitechapel lebte damals, wie immer, in Saus und Braus. Die breite Mittelgasse, die Restaurants, die Kinos und Theater waren am Abend überfüllt mit kräftigen und gutgekleideten jungen Leuten. Das war eine Welt für sich, wie mit einer dicken Wand vom kriegführenden England getrennt, wie eine fremde

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