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Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-03-01
Page
Seite 170 (sequence 6)
Language
German
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170 MENORAH erweisen, und schieße. Auch dazu gehört Kopf und Begabung. Aber das Talent eines Strategen ist von ganz anderer Art, es ist das des Schachspielers. Es kam dann eine Zeit, viel später jedenfalls, wo man sogar im Kriegsministerium einsah, daß Kitcheners Strategie nicht taugte. Im Parlament und in der Presse bildete sich eine starke Richtung zugunsten der Orientfront. Man suchte zu beweisen, daß dort der schwächste Punkt des Gegners war, daß die Türkei mit geringer Anstrengung demoralisiert werden könnte und dann Deutschland einen Stich mitten ins Herz bekäme, weil es ja mit dem Kriege ganz und gar die Absicht verfolgte, den Orient zu beherrschen. Lloyd George selbst gehörte mit zu dieser Richtung. Aber Kitchener wollte und konnte nicht nachgeben. Wäre er nicht auf so tragische Weise gestorben — ich bin sicher, daß Lloyd George ihn einige Monate später zur Demission gezwungen hätte. Aber im Herbst 1915 war Kitchener für England noch ein Abgott. Der Gedanke an eine Offensive im Orient war infolge der Niederingen in den Dardanellen kompromittiert, eine kindisch leichtsinnige Aventure, erdacht und ausgeführt (entgegen Kitcheners Rat) von dem talentvollen enfant terrible Winston Churchill, der zwar eine glänzende Intuition besaß, aber damals noch schwach in der Arithmetik war. „Eine Legion für Palästina?" hörte ich von allen Seiten. „Wer denkt an einen Aufmarsch in Palästina? Es ist unnütz/' Zweitens: die zionistische Organisation in England war noch kleiner und noch mehr blutarm als heute, aber der Krieg hatte ihr zwei erstklassige Kräfte aus dem Ausland geschenkt: Tschlenow und Sokolow. Beide waren Gegner des Legionsgedankens, und das hat das allgemeine Verhältnis zu dieser Sache schon bestimmt, noch bevor die Diskussion angefangen hatte. Der einzige geistige Einfluß, der sich damals in diesen zionistischen Kreisen bemerkbar machte, war gleichfalls ungünstig. Achad Haam lebte zu jener Zeit in London und es hatte sich um ihn ein kleiner Kreis von Anhängern gebildet, von denen bis heute etliche noch predigen, daß wir in Palästina keine jüdische Majorität brauchen und sie nie erreichen werden. Ich fand bloß sehr wenige Ausnahmen. Josef Co wen und Dr. Ed er unterstützten mich von Anfang bis zum Schluß. Der Gedanke an ein jüdisches Bataillon ist eigentlich der ihre: sie hatten dafür noch in den ersten Kriegsmonalen agitiert, zwar nicht für Palästina, sondern für die allgemeine Front. Selbstverständlich fielen sie durch. Auch jetzt konnte ihre Autorität sehr wenig gegen die Sokolows, Tschlenows und Achad Haaras ausrichten.

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