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Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 169

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-03-01
Page
Seite 169 (sequence 5)
Language
German
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VOM NIL ZUM JORDAN 169 Hingen, die in jenen Kriegsjahren natürlich eine außergewöhnliche Rolle in ganz Mitteleuropa gespielt haben. Wir beschlossen, gemeinsam mit Großmann, ein Journal zu gründen, die jiddische ,,Tribüne". In den letzten Jahren, als ich Deutschland, Österreich, die Tschechoslowakei und Rumänien bereiste, fand ich Leute, die noch bis heute in ihrem Bücherschrank jene grünen Hefte aufbewahrt haben, die Großmann von 1915 bis 1917 in Kopenhagen herausgegeben hatte. Und dieselben Leute erzählten mir, daß jene Hefte ,,das einzige ehrliche Wort" waren, das ein Zionist in Mitteleuropa in jener Zeit hören konnte, um nur einen Tropfen Wahrheit zu erfahren über die Lage in Palästina, über die Beziehung der Türkei zum Zionismus und über die Kriegsorientierung, die die zionistische Bewegung hätte einnehmen sollen. Wie es Großmann gelungen ist, das Journal zu erhalten, war mir lange ein Wunder. Ich konnte ihm aus London nur selten helfen. In England wurde die „Tribüne" deshalb verboten, weil sie, obzwar England freundlich gesinnt, die russische Regierung angegriffen hat! Wenn ein englischer Bürokrat sich vornimmt, ungeschickt zu sein, ist er darin uniibertrefl'licli. Großmanns ,,Wunder" war aber leicht erklärlich: er bezahlte den Buchdrucker aus seinem eigenen Korrespondentengehalt. lVlitte August 1915 kam ich wieder nach London. Ich hielt Umschau. Die Lage fand ich durch und durch ungünstig für meinen Plan. Erstens: Kitcheners Politik. Seine Lehre war einfach: alle Bemühungen einzig und allein auf die Westfront zu richten, der Orient ist unwichtig. Die Engländer halten ihn für einen großen Strategen — trotzdem ich noch bei seinen Lebzeiten ganz andere Meinungen hörte, die ihm sehr scharf an den Leib rückten, und gerade von bedeutenden Spezialisten. Ich selbst muß hier wiederholen, was ich bereits über Delcasse gesagt habe: Nicht jeder, der bei Nichtjuden die Rolle eines großen Mannes spielt, ist wirklich groß. Kitchener war ein erstklassiger Soldat und ein hervorragender Organisator. Ein Stratege bedeutet aber etwas ganz anderes. ,,Strategie" ist jene Kunst, die auf einer großen weitentwickelten Front den schwächsten Punkt des Feindes zu finden vermag. Dazu bedarf es der Fähigkeit, die sich auf englisch ,,Imagination" nennt, und dieses Talent besaß Kitchener nicht. Er wTar sozusagen ein erstklassiger Artillerist: dort steht des Feindes Festung, dies und dies ist die Distanz, und nun bring deine Geschütze heran, oder fertige neue an, wenn deine sich als zu schwach

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