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Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 167

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Vom Nil zum Jordan
Date
1928-03-01
Page
Seite 167 (sequence 3)
Language
German
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VOM NIL ZUM JORDAN 167 und verachtet von allen großfürstlichen Brüdern und Verwandten, blind in sich selbst verliebt, blind gegen die Außenwelt, taub gegen die kündende Stimme des nahenden Verfalles; stolz und zufrieden mit der eigenen Blindheit und Taubheit. In der Staatsduma — Reaktionäre, die nach jeder Niederlage die Brust recken und. munter das alte russische Zaubersprüchlein herunterleiern: ,.Nitsche\vo!"; und Linke, Linke aller Schattierungen, vielleicht die einzigen wahren Patrioten, denen das Herz blutete, die sich aber immerhin auch mit dem ewigen großen Trost für kleine Menschen getröstet haben: ..Ich habe es doch vorausgesagt!" Und bei den Juden, wie üblich in einer solchen Zeit, ein Gemisch von Leid und Hoffnung und hysterischer Aufregung. An der Kriegsfront wütete der blutrünstige Januschkiewitsch, der Dutzende von jüdischen Spionen" dem Henker überantwortete, der ganze jüdische Gemeinden aus den Städten und Städtchen evakuierte. Auf jeder Bahnstation hungernde Flüchtlinge, zerschlissen und barfuß; unvergeßliche Beispiele von Selbstaufopferung: greise Rabbiner, die auf den Wagen verzichten und tausend Werst mit ihren vertriebenen Brüdern und Schwestern zu Fuß zurücklegen; junge Mädchen, die die ganze Nacht hindurch an den Bahnstationen mit Lebensmittel- und Kleiderpaketen warten, weil sie gehört haben, daß irgend ein Zug mit Flüchtlingen eintreffe, nicht wissend, woher und wann er kommt; und endlich Millionen vollwertiger russischer Rubel für Hilfszwecke, gespendet mit jener freigebigen Geste, die einst der Stolz des russischen Juden zu sein pflegte. Und dabei Millionen, die man an Kriegsprofiten zusammengerafft hatte, Millionen, die man für die Ringe seiner eigenen Frau oder für das Ohrgehänge der Frau eines andern verschwendete, und das tägliche Warten auf etwas, das jeden Augenblick kommen muß: auf ein Erdbeben des Glücks, auf eine große Erlösung; und fast wie in messianischen Zeiten, ein gewaltiges Auflodern der zionistischen Träume; Renegaten — und Mischehen -— und Hebräisch in jedem Eisenbahnwaggon, und überall das Gemunkel, daß es schon lange höchste Zeit sei, einen Selbstschutz zu organisieren . . . Ich sah das alles nur aus der Ferne. Die Nichtjuden in meiner russischen Zeitung behandelten mich zwar wie einen der ihren. Aber in der Redaktion des „Rasswjet" sah ich verschlossene Gesichter, bei den zionistischen Führern — nur den Rücken. Ein Bann. Nach zwölf Jahren nationaler Arbeit fand ich mich plötzlich verstoßen, als einen, den man als nationalen Verräter erklärt hat. In Odessa, meiner Heimatstadt, hat man mich in der zionistischen Synagoge ,,Jawneh'' während

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