Menorah
- Journal
- Menorah
- Volume
- 6 (1928)
- Issue
- Heft 3 (März 1928)
- Article
- Pariser Brief
- Date
- 1928-03-01
- Page
- 161 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2912821-2912879-2912883-2921681--06346-2921767- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Abb. 1. f. Pailvs Korsische Landschaft schon vor dem Kriege gekannt und ist dann wieder im Jahre H)2l dorthin zurückgekommen. Bei den meisten russisch-jüdischen Künstlern in. Paris liegt das russische Krirgs- und Revolutionserlebnis zwischen ihren beiden Pariser Schaffensperioden. Für Chagall bedeutet die Wiederkehr den Übergang von den übermütigen Dekorationen im Foyer des jüdischen Kammerthea ters in Moskau zum ruhigen in großzügiger Flächigkeit, gehaltenen Porträt seiner Frau (wieviel Abgeklärlheit liegt schon in dem himbeerfarbenen Hintergrund des Bildes), zu den Illustrationen der Fabeln von Lafontaine, der Propheten, der Toten Seelen von Gogol. Aber beiChaga.lL enthülle ich mich jeglicherSchliis.se, ich weiß, er wird alles verdauen. Lafontaine und Gogol. Rußland, Paris, das Judentum haben sich in seiner Person so wundersam gefunden, er hat es nie nötig gehabt, eines zu verraten, um das andere zu verehren, es hat für ihn wohl auch keinen derartigen Kontlikt gegeben. Französischer beschwingter Geist, russisches Lachen unter Tränen und jüdisches Blut sind hier eine glückliche Verbindung eingegangen, aber nicht jüdisches Blut atiein, sondern auch jüdischer Geist. Jüdischer Geist ist es. was den lebendigen Chagall von dem konstruierten Juden Hermann Bahrs unterscheidet, der auf so geschickte, etwas zu geschickte Weise von geistigen jüdischen Einflüssen bewahrt werden konnte. Diese wirken noch weiter in Menschen, wie Chagall, auch wenn der physische