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Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 160

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Pariser Brief
Date
1928-03-01
Page
Seite 160 (sequence 2)
Language
German
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160 MENORAH ästhetisierenden Grigorjeff jetzt von seinem Lande trennt. Er hat sich von der Heimat wegentwickelt, das spezifisch russische hat er nur als kleine Extravaganz beibehalten, wie sie einem fremden Publikum immer gefällt. Ich wußte nun, worauf es ankommt, und ging zu Pailes. Isaak Pailes kam nach Paris aus Kiew mit der Vision primitiver Volkskunst in seinen Augen. Sein nach innen gekehrter Blick scheint noch ferne Dinge zu schauen. Er machte in Paris Plastiken bis 1920, köstliche ungelenke Figuren, mit denen er sich unendlich plagte, er war mit ihnen nie zufrieden. Nun sind sie überall verstreut, er weiß nur noch die Spur von einer einzigen, die Van Leer nacli London verkauft haben soll. Die Kollegen verfolgten mit Spannung die Entwicklung Pailes, denn es war in dem jungen Menschen — er war damals fünfundzwanzig — eine Ehrlichkeit, eine fanatische Gradlinigkeit, die sogar den lieben Freunden Achtung gebieten mußte. Wenn es einer mit sich ernst meint, erkennen das die Pariser Kameraden an trotz aller kleinlichen Intrigen. Es gibt eine öffentliche Meinung in der Pariser Künstlerschaft, die mit der Presse nichts gemein hat. „Sie glauben, die Kritik oder die Kunsthändler etwa machen es?" sagte mir ein Maler im Cafe du Dome. „Was sich so unter uns herumspricht, da kommt es her — die Namen, die Preise, der ganze Rummel." Um Pailes war also die aufregende Atmosphäre der Erwartung, aber materiell ging es trotzdem schlecht. Ich kenne nicht die Etappen seiner Entwicklung seit 1920, aber heute malt er Landschaften für einen Kunsthändler, die seit den Impressionisten üblich gewordenen Motive aus Südfrankreich (Abb. 1), das weiße Hans, Bäume, das Gläschen Absinthe, es ist gule Malerei, schöner Ton, schöne Faktur, es fehlt bloß der Wüle zu ganz persönlichem Ausdruck. Pailes ist in den allgemeinen französischen Kunstbetrieb eingestellt wTorden, ist in ihm untergegangen. Ob für immer? Vielleicht, wenn er einmal aus der Fron des Kunsthändlers heraus könnte, würde er sich auf sich selbst besinnen. Heute ist ihm jüdische Kunst „Le juif avec peis", eine Angelegenheit des Darstellungsmotivs, nichts weiter. Leider ist dieses Motiv von manchen jüdischen Künstlern zu stark ausgenützt worden, es ist in Paris die Domäne des Mane K a t z geworden, der dem Publikum, das die Brüder Tharaud gelesen hat, eine willkommene Illustration bietet. Wie schön, wie träumerisch sinnend sind die chassidischen Jünglinge des Mane Katz mit ihren allzu großen Auger, allzu schwarzen Augenbrauen, allzu dunklen Lidern, allzu langen Schläfenlocken (Abb. 3). Böse Zungen behaupten, daß sie ohne Modell gemalt werden. Woher auch in Paris? Aber das wäre das ärgste nicht. Mane Katz kennt die Leute, die er darstellt, diese Kenntnis braucht er nicht erst nachzuweisen. Die zeichnerischen und die koloristischen Qualitäten sind es, die er aber vermissen läßt, es kommt ihm zu sehr auf die Wirkung des Sujets an. Seine Farbflächen erscheinen öde, das gewaltige Format ungerechtfertigt, es bleibt außer dem Sujet nur noch ein gewisser Schmiß im Kompositionellen übrig. Seine Stilleben, aus denen er kein solches Wesen macht, sind besser. Pailes hat sich vom Judentum inhaltlich entfernt, Mane Katz bleibt ihm treu, kann er ihm besser dienen? Ist seine Haltung jüdischer, als die Pailes? Zeigt er uns Juden, wie er sie sieht? Ich fürchte, er zeigt sie, wie die Tharauds sie sehen, mit den Augen der Fremden, und da er selbst keiner ist, ist diese seine Haltung nicht ganz echt. Ko slo f f ist echter, er hat notiert, was er in der Ukraine gesehen hat (Abb. 2); seit er in Paris kein jüdisches Leben mehr sieht, hat er aufgehört es zu malen. Gewiß, es ist Sache des Temperaments und der Begabung. Kosloff gehört zu der Generation jüdischer Künstler, die nach Paris früher als Chagall kamen. Er ging auch früher von Paris fort. Jetzt, wo sie beide wieder dort sind, knüpfen sie den Faden an verschiedenen Stellen an. Chagall hat Paris im Zeichen Picassos verlassen und hat nun die Ingreslinie vorgefunden. übrigens hat auch Mane Katz Paris

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