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Menorah · 1928-03-01 · Heft 3 (März 1928) · p. Seite 154

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Menorah
Volume
6 (1928)
Issue
Heft 3 (März 1928)
Article
Der gefangene Rabbi von Rothenburg
Date
1928-03-01
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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154 MENORAH Der Reiter gibt Befehl, den Juden an den Schweif seines Rosses zu binden und Schleppt ihn so in die befestigte Freistadt Rothenburg, dahin ihn sein Weg führt. Dort übergibt er ihn dem Burggrafen von Rothenburg, und bald wird der Jude in einen der vielen Türme der Rothenburger Stadtmauer, in den „Straf türm" geschlossen und harrt dort des Richterspruchs. Vom Turmwächter erfahren die Juden Rothenburgs, daß in der Stadtmauer ein Jude eingeschlossen ist; sie bereiten koschere Speise, schleichen sich zum Turm und schicken dem Gefangenen durch einen Geheimboten das Essen. Der fremde Jude sendet ihnen durch den Boten einen Brief, in dem er bittet, sie mögen des M e h a r a m Frau und Kindern Nachricht geben, daß der Meharam auf dem Wege nach Jerusalem gefangen worden und im Turm zu Rothenburg geschlossen säße. Als die Juden Rothenburgs vernommen, wer der gefangene Jude war, entsandten sie Boten nach allen Richtungen, nach Mainz, nach Worms, nach Speyer und in viele andere Gemeinden in deutschen Landen; und noch weiter gingen Boten zu den jüdischen Gemeinden in Frankreich und Italien; auch zu den Juden des Landes Polen drang die Kunde, der große Rabbi, die Leuchte seiner Zeit, der Meharam sei gefangen im Stadtturm von Rothenburg. Und die Juden verkaufen Perlen, Diamanten und kostbares Geschmeide und bieten dem Herzog großes Lösegeld für den ihnen teuren Gefangenen. So erfährt der Herzog, wer ihm ins Netz gekommen und jede Summe ist ihm zu gering, jeder Edelstein zu klein, jedes Schmuckstück zu leicht als Preis für den Kopf des Gefangenen. Er fordert, sie mögen ihm als Löse für den Kopf des heiligen Rabbi so kostbare Edelsteine bringen, daß er ein Meßgewand damit besticken lassen kann, so seltene Perlen, daß er mit ihnen das Blutkreuz in der Jakobskirche zu Rothenburg besetzen, so viel Gold, daß er dafür einen Dom in seiner Residenz errichten kann. Emsig sammeln die Juden in Italien und Lothringen, im deutschen und im Polenland: Gold, Silber, Perlen und Edelgestein. Der gefangene Rabbi hört von dem teuren Preis, den der Herzog für sein sündiges Leben verlangt, und sein Herz blutet ob der grausamen Forderung. Er weiß: die Juden müssen Schmuck und Steine haben für die harten Zeiten, da sie den Wanderstab werden zur Hand nehmen müssen. Ist denn sein sündiger Leib wert, daß für ihn solche Schätze geopfert werden? Und aus dem schmalen kleinen Fensterchen im Strafturm der Rothenburger Stadtmauer läßt der Rabbi ein Bannverbot ergehen: „Niemand wage es, mich auszulösen!" Hier im Gefängnis

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